Pieter Keulen
23 Jul

Golf- Der Rücken, Ihr grösstes Handicap?

Kategorie: Fitness, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Viel Geld wird ausgegeben um das „Handicap“ zu verbesseren, wie ist es aber wenn dein Rücken DAS Handicap ist?  Während einer Golfrunde von 18 Loch legt der Golfspieler etwa 8-9 km zurück. Dabei macht der Golfer durchschnittlich 80-110 Schläge, dazu kommt noch mal das Doppelte an Probeschlägen.  Mehr als 30% der Golfer leiden bereits an Rückenbeschwerden, welche durchs Golfen verursacht wurden! Aufgrund dieser Beschwerden gehen im Durchschnitt pro Jahr 10 Wochen an Spielzeit verloren (gemäss einer Studie der Universität von Pittsburgh).

Du merkst also, dass deine körperliche Fitness beim Golfen eine wesentliche Rolle spielt. Glücklicherweise haben das auch zahlreiche professionelle Golfer erkannt und verbringen viel Zeit damit, ihre Kondition „auf Vordermann“ zu bringen. Viele Hobbysportler haben jedoch „nicht die Zeit“, um die Rumpfmuskulatur gezielt zu trainieren und so Rückenschmerzen vorzubeugen.

Golf BlogViele Personen machen weiter mit Golf, wenn sie älter werden oder fangen erst im fortgeschrittenen Alter damit an. Leider lassen aber auch die Kondition und die Kraft mit dem Alter nach. Man merkt, dass man nicht mehr so beweglich ist wie früher; neue Bewegungsabläufe sind schwerer zu lernen oder sind nicht mehr so „geschmeidig“ wie sie mal waren. Im Rücken und auch in den Gelenken beginnen verschiedene degenerative Prozesse (u.a. Spinalstenosen, degenerative Spondylolisthesis, Arthrose). Deshalb ist es zum Teil für die älteren Golfer sehr schwierig, beschwerdefrei spielen zu können.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Ältere Golfer vermehrt Rückenbeschwerden haben aufgrund von degenerativen Abnutzungsschäden. Jüngere Golfer, bis etwa zum 45. Lebensalter, haben öfter Rückenbeschwerden, bei denen die Bandscheiben die Ursache sind. Grund dafür sind die grösseren, oft forcierten Golfschwünge. Jüngere Golfer haben auch vermehrt die Neigung auf Kraft zu spielen. Kommt dann noch eine schlechte technische Ausführung hinzu, sind Bandscheibenvorfälle eigentlich bereits vorprogrammiert.

Auch professionelle Golfspieler kennen sich bestens aus mit Rückenbeschwerden. Überbelastung durch zu wenig Erholung zwischen den Trainings und Wettkämpfen oder ein schlecht aufgebautes Trainingsprogramm können Gründe dafür sein.

Ursachen

Der Hobby-Golfer entwickelt Rückenbeschwerden wegen schlechter Technik und/oder schlechter Fitness. Ein schlechter Golfschwung verursacht grosse Kompressionen und Rotationskräfte in der Wirbelsäule. Die Bandscheibe verliert ihren absorbierenden Effekt. Die Wirbelsäule kann diese Belastungen nicht verarbeiten und Beschwerden entstehen.

Die meisten Rückenbeschwerden bei jüngeren Golfer betreffen das Niveau L4-L5, L5/S1 (unterstes Wirbelsäulen-Segment). Dabei ist insbesondere der „Durchschwung“, bei dem es durch eine Hyperlordisierung (starkes Hohlkreuz), und starker Rotation Ihres Rückens zu einer hohen Belastung der Wirbelsäule kommt. Neben einer Bandscheiben-Verletzung kann es zu Blockierungen der ISG (Iliosacral-Gelenke) kommen.

Du erkennst den Unterschied zwischen diesen beiden Beschwerdebildern dadurch, dass die L4/L5, L5/S1-Beschwerden oft an beiden Seiten der Wirbelsäule spürbar sind. Bei ISG-Beschwerden spürst Du dies meistens einseitig und eher im Übergang zwischen Kreuzbein und Gesäss.

Was tun?

Es liegt auf der Hand, dass ein gutes Becken/Rumpf-Muskelkorsett einen entscheidenden Faktor spielt beim Lower Back Pain. Gut trainierte Bauch- Becken- und Rückenmuskeln sind also ein Muss für jeden Golfspieler, um Beschwerden vorzubeugen.

Nun wäre es aber ein bisschen zu einfach zu behaupten, es bräuchte nur eine kräftige Rumpfmuskulatur. Es gibt noch einige andere Faktoren die mitentscheidend sind, u.a.:

Gute Flexibilität: Du kannst Dir vorstellen, dass es keinen Sinn macht, wenn Du wie ein Muskelprotz auf dem Golfplatz stehst, aber total unbeweglich bist.

Eine gute „Body Awarness“: Es gibt Golfer, die auf dem Platz enorme Mühe haben, das umzusetzen, was der Golf Pro von ihnen verlangt. Der Grund dafür liegt meistens darin, dass sie nicht wissen, wie man das Becken kippt, oder wie man die Schultern nach hinten bringt, um einen Rundrücken zu vermeiden, der einen Spannungsverlust der Rückenmuskeln nach sich zieht. Golfer, die ein gutes Gespür für Ihre Bewegungsabläufe aufweisen, haben weniger Beschwerden, als solche, die ein schlechtes Gespür für ihren Körper haben.

Technik: Ohne eine gute Technik geht gar nichts. Golfspieler, die ohne jegliche Kenntnisse der Golftechnik auf die Driving Range gehen, um „es mal zu versuchen“, können sicher davon ausgehen, dass innerhalb kürzester Zeit Rückenbeschwerden entstehen werden. Deswegen ist die Stunde beim Pro nicht nur eine sehr wertvolle Investition für Dein Golfspiel, sondern auch für Deinen Rücken. Insbesondere ist darauf zu achten, dass Du eine „neutrale“ Körperposition in der Endphase Deines Golfschwungs beibehälst. Eine Hyperlordisierung sollte dabei vermieden worden. Des Weiteren ist ein lockerer und entspannter (Durch-) Schwung von grosser Bedeutung. Ein forcierter Stopp am Ende des Schwungs verursacht starke Belastungen auf Deine Wirbelsäule, die auf jeden Fall vermieden werden sollten.

Gerade das Zusammenspiel der Faktoren Kraft, Flexibilität, gute Sensomotorik und Technik macht den Unterschied. Aus diesem Grund sollte ein optimales Trainingsprogramm all diese Faktoren berücksichtigen.

Golfspieler, die Rückenverletzungen haben, sollten mit einem entsprechenden Trainingsprogramm gezielt weiter an der Stabilität ihres Rückens arbeiten. Leider ist es oft so, dass man aufhört zu trainieren, sobald die Schmerzen verschwunden sind. Das ist in der Regel nach 4 Wochen der Fall. Sehr wichtig ist es zu wissen, dass Deine Bandscheibe etwa 1 ½ Jahre regelmässiges Training (2-3 mal pro Woche) für eine optimale Stabilität benötigt!

Golf RückenschmerzenGolf- Rückenschmerzen

Golfer mit Rückenbeschwerden auf Grund starker Abnutzungserscheinungen empfehlen wir neben dem regelmässigen Training kleine technische Änderungen in ihrem Golfschwung vorzunehmen. Du wirst merken, dass es mit kleinen Änderungen oft bereits eine Erleichterung geben kann.

Für eine optimale Rehabilitation ist es wichtig, einen Physiotherapeuten mit Fachkenntnissen des Golfsports aufzusuchen. Ohne eine sportspezifische Analyse ist das sportspezifische Training kaum professionell durchführbar. Daneben gilt es zu beachten, dass das Rehabilitations-Center die optimalen Möglichkeiten für ein intensives Training bietet!

Golf Tipps, damit Dein Rücken nicht zu Deinem grössten Handicap wird:

Warming up. Bevor Du Deine Runde oder das Training startest, solltest Du dir 15 Minuten Zeit nehmen, um dich aufzuwärmen. Bewege dabei all Deine Gelenke, führe leichte Dehnungen durch und starte auf der Driving Range mit lockeren, technischen Schlägen.

Trinke genügend. Dein Körper besteht hauptsächlich aus Wasser. Dieses Wasser ist mitverantwortlich für eine gute Qualität Deiner Bandscheiben.

Stoppen bei Schmerzen. Bekommst Du während Deiner Runde Rückenschmerzen, hör auf! Es kann nur noch schlimmer werden.

Trainiere Deine Fitness. In unserer letzten Ausgabe haben wir Dir einige Übungen präsentiert, welche Deine Fitness deutlich verbessert. Nimm Dir die Zeit, um dieses Programm regelmässig durchzuführen. Du wirst merken, dass dies Deinen Rücken stärkt.

Zieh Dir genügend warme Kleider an. Es ist besser, mal ein Kleidungsstück auszuziehen, als dass Du kalt bekommst. Nimm übrigens immer ein trockenes T-Shirt mit. Wenn Du geschwitzt hast, bist Du froh, wenn Du ein trockenes Shirt anziehen kannst.

Verbessere Deine Technik. Ruckartige, unkontrollierte Bewegungen sind ein absolutes No-Go. Nimm regelmässig Unterricht beim Golf Pro. Dies kommt nicht nur Deinem Golfspiel zu Gute, sondern es ist auch eine wertvolle Investition für Deinen Rücken…

• Versuche, wenn es geht, ohne Schmerzmittel zu spielen. Schmerzmittel reduzieren zwar die Schmerzen während Deines Spiels, der Nachteil ist aber, dass Du durch ein abgefälschtes Körperempfinden Deinen Rücken überbelastest, und nach dem Spiel deutlich mehr Schmerzen haben wirst.

Regeneration. Besuche regelmässig einen Masseur, auch wenn Du keine Beschwerden hast. Lockere Deine Muskeln regelmässig. Deine Muskeln freuen sich.

Verschlimmerung. Bekommst Du Ausstrahlungen in die Beine, sogar bis in die Fussspitzen, warte nicht lange, sondern lass dies sofort bei einem Fachspezialisten abklären.

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7 thoughts on “Golf- Der Rücken, Ihr grösstes Handicap?

  1. Da hat wohl im wahrsten Sinne des Wortes jeder sein eigenes Kreuz zu tragen… 😉 Ich denke man muss sich auch entsprechend vorbereiten. Bei so einer Belastung durch ein gutes Training. Im Büro kann schon mal ein neuer Bürostuhl helfen. Wenn man die Möglichkeit nicht hat, vielleicht während der Erholungsphasen besondere Lösungen finden.

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