Physiotherapie - Strategien bei chronischen Schmerzpatienten

Schmerzen sind (leider) hervorragende Motivatoren regelmässig den Physiotherapeuten zu besuchen. Wie bleibt man dennoch motiviert, wenn die Beschwerden länger andauern und man das Gefühl hat, dass es einfach nicht besser wird? Hier ein paar Empfehlungen bei chronische Schmerzpatienten.

Diesem Blogbeitrag bezieht sich auf orthopädische Patienten


In vielen Fällen realisiert man erst wenn man verletzt ist, was es bedeutet, gesund zu sein. Es ist für viele eine Selbstverständlichkeit, dass man morgens ohne Anlaufschwierigkeiten aufstehen, sich ohne Probleme die Hose anziehen oder arbeiten gehen kann. Auch Spaziergänge sind einfach möglich und man kann ohne Einschränkungen Sport treiben. Erst wenn man verletzt ist, merkt man, dass das doch nicht so selbstverständliche Aktivitäten sind.


Die mentale Einstellung von chronischen Schmerzpatienten, wieder besser und fitter zu werden, ist sehr unterschiedlich. Die Motivation jedes Patienten ist anders. In meinem Blogbeitrag «Mission – Vision – Strategie» konntest du bereits etwas darüber lesen, welche Elemente ich für eine gute Reha-Behandlung als wichtig erachte, damit die Patienten motiviert bleiben. Folgend nun einige Tipps bei chronischen Schmerzpatienten.

  1. Setze kleine Ziele
    Patienten brauchen Ziele, auch wenn das nur kleine Schritte sind, jeder Schritt ist ein Erfolg!

  2. Setze realistische Ziele
    Ärzte, Therapeuten und Trainer machen Patienten «kaputt» wenn sie Sachen versprechen, die unrealistisch sind. Wenn es im Kniegelenk keinen Knorpel mehr gibt, sondern «Knochen auf Knochen» kommt, dann ist es nicht sehr realistisch dem Patienten zu sagen, dass er wieder ohne Beschwerden Volleyball spielen oder Joggen gehen kann. Wenn erhebliche Beschwerden einen grossen Einfluss auf die Gesundheit haben, kann es gut sein, dass Patienten sich mit der Situation auseinandersetzen müssen, gewisse Aktivitäten nicht mehr machen zu können.

  3. Die Hoffnung stirbt zuletzt…
    Ich hatte mal eine Patientin mit sehr starken Rückenbeschwerden. Der Orthopäde wollte operieren, sie weigerte sich dagegen und kam zu uns in die Physiotherapie. 4 Wochen haben wir gemeinsam trainiert, ohne jegliche Besserung. Und trotzdem hatten wir beide das Gefühl, dass es klappen wird. Und wir sollten Recht behalten. Rund eineinhalb Jahre später lief sie den Boston Marathon. Eine wahnsinnige Geschichte, die du unter dem folgenden Link nachlesen kannst.

  4. Selbstdisziplin des Patienten
    Jeder Patient, der zu uns ins Medical Training Center Emmenbrücke oder Hochdorf kommt, erhält ein Trainingsprogramm für Zuhause. Es reicht nicht zwei bis drei Mal in der Woche in die Physiotherapie zu kommen und Übungen durchzuführen. In vielen Fällen braucht es tägliches Training.

  5. Hole (weitere) Hilfe
    Ich habe oft erlebt, dass bei chronischen Schmerzpatienten mit Rückenbeschwerden andere Probleme im Vordergrund standen. Also nicht der Rücken war das Problem an sich selbst, sondern familiäre oder finanzielle Probleme, Beziehungskrisen, oder Stress bei der Arbeit, mit Kollegen sowie Freunden. Der Kopf spielt bei solchen Schmerzen IMMER eine Rolle. Wenn dies chronisch wird, d.h. über eine längere Zeit anhält, ist es völlig in Ordnung sogar empfehlenswert, zusätzliche Hilfe zu holen. Lese auch: Das Eisberg Prinzip

  6. Ein anderer Physiotherapeut
    Wenn ich selbst merke, dass meine Motivation nachlässt oder es zwischen dem Patienten und mir nicht mehr passt, wird es Zeit, den Physiotherapeuten zu wechseln. Ein frischer Wind und andere Ansichten können manchmal sehr gut tun. Bei uns in die Physiotherapie in Emmenbrücke und Hochdorf kann es gut sein, dass gewisse Patienten durch zwei verschiedene Physiotherapeuten betreut werden. Schlussendlich ist es auch so, dass zwei Physiotherapeuten mehr wissen als einer. Das hat nichts mit dem Ego des Physiotherapeuten zu tun, sondern dass die Patienten besser werden sollen.

  7. Positive Gedanken
    Wie schwierig es manchmal auch ist, versuche positiv zu bleiben. Häufig gebe ich meinen Patienten Hausaufgaben. Sie staunen nicht schlecht, dass es teilweise keine Trainingsübungen sind, sondern mentale Aufgaben. Die Aufgabe könnte lauten: Setze oder lege dich 20 Minuten hin, deine Augen darfst du schliessen und nun stelle dir vor was du gerne erreichen möchtest. Z.B. 20 Kilogramm heben oder wieder Skifahren können. Je intensiver und detaillierter du dir das vorstellen kannst, desto eher führt dies zum Erfolg.
«Hier bin ich, ich bin bereit alles dafür zu tun um wieder besser zu werden und mich besser zu fühlen!»

Chronische Schmerzen haben einen enormen Einfluss auf unsere Lebensqualität. Die wichtigste Person im Heilungsprozess bist du selbst, nicht dein Arzt, dein Physiotherapeut oder ein sonstiger Spezialist! Was ich dir damit gerne mit auf dem Weg geben möchte: Es benötigt deine Kooperation und deinen Einsatz, damit ein langfristiger Erfolg erzielt werden kann.


Lese auch: Reha CoachingNur wer selbst brennt, kann Feuer in andern entfachen

Pieter Keulen

Autor: Pieter Keulen


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Kategorie: Physiotherapie
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