Warum scheitern Jugendliche Leistungssportler?

Über die körperliche Entwicklung bei Talenten, Jugendlichen, Leistungssportlern und Sportlerinnen ist in den letzten Jahren viel geforscht worden. Im Alltag läuft aber einiges schief. Jugendliche mit muskulären Beschwerden, (chronischen) Sehnenverletzungen, Knie- und Rückenbeschwerden sind keine Seltenheit. In vielen Fällen führt dies dazu, dass jugendliche Leistungssportler den Spass verlieren und aussteigen. Woran liegt dies? Ich gebe euch einige Erfahrungen weiter, die ich selber erlebt habe mit jugendlichen Leistungssportlern

Ich fange direkt mal mit einem wichtigen Statement an: «Kinder und Jugendliche wollen vorallem Spass haben in ihrer Sportart!».

«Kinder und Jugendliche wollen vorallem Spass haben in ihrer Sportart!»

Die Jugendlichen haben irgendwann mal angefangen, weil ihre Sportart sie besonders angesprochen hat. Vielleicht waren Freunde und Kollege auch bei einem bestimmten Verein. Gemeinsamkeit, Spass, Beziehungen aufbauen, Freiheiten haben und Anerkennung und Wertschätzungen sind aus Sicht der Jugendlichen wichtige Faktoren Sport zu treiben, so eine Studie des „Knowledge Centre for Sports Netherlands“ durchgeführt zwischen 2017 und 2019".

Insbesondere Jugendliche, die durch ihr Talent auffallen, werden möglichst schnell selektiert mit dem Ziel weiter gefordert zu werden.

In der aktuellen SINUS Jugendstudie 2020 bemängelten Jugendliche allerdings, dass ein zu hoher Leistungsdruck in Vereinen herrscht.

Besonders von Trainern und Trainerinnen wird einiges abverlangt. Freude an Sport ist insbesondere nur dann vorhanden, wenn Trainer über pädagogische Kompetenzen verfügen. Als zweites müssen Trainer und Trainerinnen ein Verständnis haben, was die Belastung und Belastbarkeit von Jugendlichen angeht. Insbesondere im Leistungssport! Deswegen bin ich der Meinung, dass die besten Trainer und Trainerinnen Jugendliche betreuen sollten.

Ich nehme dich nun kurz mit in meinen Alltag. Sehr oft erlebe ich in meinem Alltag talentierte Jugendliche, die in einer «Talent Mannschaft» oder in einer «Talent Gruppe» eingeteilt sind. Die Trainingsintensität liegt bei diesen talentierten Kids bedeutend höher als bei ihren gleichalterigen Kollegen in einem «normalen» Sportverein.

Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr Trainingseinheiten werden durchgeführt und auch die Trainingsintensität wird gesteigert. In der Praxis sehen wir, dass viele Jugendliche, neben ihren Trainings in den Talentengruppen auch regelmässig in ihrem «Stammverein» aushelfen. Die Folgen lassen dann nicht lange auf sich warten. Jugendliche, die noch in der Wachstumsphase sind, sind oft einer zu hohen Belastung ausgesetzt. Die Folgen sind Verletzungen. Insbesondere Sehnenbeschwerden und muskuläre Beschwerden sind keine Seltenheit.

Jugendliche, die noch in der Wachstumsphase sind, sind oft einer zu hohen Belastung ausgesetzt

Gerade die Jugendlichen, die in einer Wachstumsphase sind, sind empfindlich für zu hohe Trainingsbelastungen und zu wenig Regeneration. Gerade weil ein bestimmter Spieler zusätzlich wertvoll ist für einen Verein kommt es dann auch regelmässig vor, dass ein Spieler, der sich kaum erholt hat von einer bestimmten Verletzung bereits wieder am Samstag auf dem Platz steht.

Oft erlebe ich, dass Jugendliche, die mehrfach verletzt sind, zu viele Trainingseinheiten durchführen ohne, dass auf eine angemessene Trainingsintensität und die nötige Regeneration geachtet wird. Der Spass am Sport geht verloren. Die Folge hier ist, dass ein talentierter Sportler oder Sportlerin aussteigt und das Interesse am Sport verliert.

Jugend und Leistungssport


Regelmässig versuche ich, das Gespräch zu suchen mit Trainern und sie darauf hinzuweisen, dass mit Jugendlichen dossiert trainiert werden muss. Es macht kein Sinn diese talentierten Kids «kaputt» zu trainieren.

Eine der schlimmsten Aussagen eines Trainers war auf mein Anliegen: «Nur die Starken Überleben!». Eine völlig unsinnige Aussage. Es kann gut sein, dass der kleinste der Gruppe, noch nicht die körperlichen Voraussetzungen hat wie seine Altersgenossen, aber er vielleicht der talentierteste ist und wenn man diese Sportler oder Sportlerin pflegt, er der bzw. die Beste von allen wird.

Fazit

  • Die beste Trainerin oder der beste Trainer des Vereins sollte Jugendmannschaften/Sportler betreuen
  • Es braucht ein besseres pädagogisches und trainingsphysiologisches Verständnis
  • Nicht die Leistung, aber der Spass am Sport sollte im Vordergrund stehen. Dies steigert die Chance, dass der Jugendliche länger seine Sportart ausübt

Pieter Keulen

Autor: Pieter Keulen


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Kategorie: Medizin
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