Return to Sports – warum viele «funktionelle» Sporttests keine funktionellen Tests sind

Nach einer Sportverletzung geht es darum, festzustellen ob ein Sportler oder eine Sportlerin wieder wettkampffähig ist. In der Medizin und Rehabilitation gibt es eine «Unmenge» an funktionellen Sporttests. Leider sind viele der Tests überhaupt nicht «funktionell» und viele sind sogar überhaupt nicht brauchbar. Gehen wir der Reihe nach!

Mediziner, Physiotherapeuten und andere möchten gerne testen. Man hat das Gefühl, dass dies eine gewisse Sicherheit gibt ob ein Sportler oder Sportlerin wieder wettkampffähig ist. Fang ich doch mal an, dir ein paar «funktionelle Sporttest» zu zeigen, die immer noch verwendet werden, um festzustellen ob du nach einer Verletzung wieder einsatzfähig bist oder nicht.

Beispiel 1 Einbeinige Kniebeuge
Hier geht es darum eine einbeinige Kniebeuge zu machen

Kontrolliert sollte werden:

  • Knie nicht über Fussspitze hinaus
  • Die Beinachse des Standbeins sollte möglichst stabil bleiben
  • Rumpf- und Hüftposition sollte stabil bleiben

Ein vollkommen sinnloser Test wenn dieser Test aussagen soll ob ein Sportler wieder wettkampffähig ist. Kennst du eine Sportart, bei der einbeinige Kniebeugen durchgeführt werden, wobei auch noch die Beinachse stimmen muss und das Knie nicht über die Fussspitze vorbei darf? Wohl kaum…


Beispiel 2 Isokinetischer Beinstrecker Test

Sporttest

Kennst du eine Sportart, bei der du dein Bein unter grossen Widerstand strecken sollst und das im Sitzen? Auch dies habe ich noch nie gesehen…

So gibt es noch eine Unmenge weiterer «funktioneller Tests», z.B. Balance Error Scoring System, Bunkie-Test, funktionelle Bewegungsanalyse (FBA) nach Gray Cook und viele andere Tests.

Was bedeutet nun für mich ein funktioneller Test, welcher den «Return to Sports»-Prozess rechtfertigt?

Ein optimaler funktioneller Sporttest muss mit dem Charakter der jeweiligen Sportart übereinstimmen. Gibt es keine Synergien zu dieser Sportart, ist dies für mich kein funktioneller Sporttest. Ja, vielleicht stelle ich dies ein bisschen provokativ dar, kann gut sein, aber lassen wir uns weiterhin kritisch sein. Es sind vielleicht Tests, aber funktionelle Sporttests sind es sicher nicht!

Und mit Sicherheit sind es auch keine Sporttests, die dir eine deutliche Aussage geben können ob du wieder an Wettkämpfen teilnehmen kannst. Du hast nun bereits lesen können, dass ein funktioneller Sporttest übereinkommen soll mit dem Charakter der Sportart, die du ausübst. So macht es also kein Sinn, jedenfalls nicht für mich, wenn man einen einbeinigen Stabilitätstest durchführt. Warum nicht? Weil praktisch alle Sportarten äusserst dynamisch sind!

Es gibt keine Sportart, in der ein Sportler oder eine Sportlerin länger als eine halbe Sekunde auf einem Bein steht. So warum sollte dies dann ein funktioneller Sporttest sein? Sportarten sind so explosiv und dynamisch, dass nach einer Landung sofort die nächste Aktion folgt. Und dies ist was ich testen sollte!

Im Medical Training Center führen wir solche Tests durch. Funktionelle Sporttests, die enorm anstrengend sind und nur wirklich am Ende des Rehatrainings (Rehabaum) durchgeführt werden. Das schöne an diesen Tests ist, dass Sportler und Sportlerinnen, die doch ein grosses Verständnis haben für praktische, sinnvolle Tests, sofort einsehen, dass die Tests, die wir durchführen logisch, praktisch, funktionell und ein Mehrwert sind!

Ein anderer Punkt, den ich kurz ansprechen möchte ist folgender: Insbesondere bei einem verletzten Kreuzband sind Patienten mehrfach über Monate bei einem Sportphysiotherapeuten, der hoffentlich die nötige Infrastruktur besitzt. Dieser Sportphysio sieht also in jedem Training die Entwicklung des verletzten Sportlers. Man kann fast sagen, dass jeder Sitzung gleichkommt mit einem Testing. Verstehst du was ich meine?

Diese Beobachtung ist äusserst wertvoll, weil der Sportphysio genau beobachtet, was der Sportler kann und was er eben noch nicht kann. Das, was er nicht kann, sollte er trainieren, um eine Verbesserung zu bekommen.

In dem methodischen Reha Aufbau werden die Trainings immer anspruchsvoller. Da, wo anfangs gelernt wird erst wieder zu belasten sind die Endtrainingsformen hochkomplexe (spezifische) Bewegungsabläufe zum Teil unter extremen Bedingungen. Gerade diese sind oft unsere «funktionellen Sporttests»!

Was fehlt nun noch?!

Ja, es gibt noch etwas ganz Wichtiges und das ist, was die meisten «funktionellen Sporttests» auch nicht beachten und das ist der mentale Zustand eines Sportlers oder einer Sportlerin. Man möchte Beinachsen testen, Stabilität der Beine und des Rumpfes, Beweglichkeit, Kraft, Landungen, Beinstrecker und so weiter und so weiter. Aber was ist mit dem Kopf, dem mentalen Zustand?

Auch hier gilt wieder, dass ich Monate lang Zeit habe verletzte Sportler zu coachen, zu beobachten und zu analysieren. In diesen Monaten kann es gut sein, dass man eine Vertrauensbasis aufbaut mit diesem Sportler oder dieser Sportlerin. Der Sportphysio weiss am Ende «wie der Sportler tickt», kennt seine Ängste oder Bewegungsabläufe.

Sehr gut kann es aber auch sein, dass man beobachten kann, dass der Sportler keine Angst hat. Was auch richtig wäre für ein «Return to Sports»

Fassen wir zusammen

  • Funktionelle Sporttests sind Sporttests, die nur am Ende des Rehaprozess stattfinden. Alles andere kann man in den «Topf» Tests werfen
  • Funktioneller Sporttests sind abhängig von der Sportart und sind keine «Standardtests»
  • Der Sportphysio hat Monate Zeit sich ein gesamtes Bild zu machen
  • Neben diesen körperlichen Aspekten muss man auch den mentalen beachten


Zum Schluss

In meinen Blogbeitrag: Sportverletzungen – Return to Sports - 5 wichtige Kriterien erhältst du noch einige Tipps, um zu bestimmen ob ein Sportler wieder wettkampffähig ist:


Pieter Keulen

Autor: Pieter Keulen


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Kategorie: Allgemein
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