Meniskus - Knieverletzungen, das solltest du wissen

Meniskusverletzungen sind häufige (Sport)- Verletzung des Kniegelenkes. Dr.med. univ. Artur Kröll erklärt dir beim Gastbeitrag alles was du über den Meniskus wissen solltest.


Was ist die Funktion des Meniskus?
Der Meniskus hilft dabei, das Körpergewicht während der Belastungsphase auf eine grosse Fläche zu verteilen (Abbildung 1). Dadurch wird die eigentliche Gleitschicht des Gelenks – der Gelenkknorpel – entlastet und langfristig gesehen vor Verschleiss (Arthrose) geschützt. Fehlt der Meniskus, erfolgt die Druckverteilung konzentriert in einem Punkt, was für den Gelenkknorpel ungünstig ist und im Verlauf zu Knorpelschäden führen kann. Zudem hat der Meniskus eine gelenksstabilisierende Funktion. Ein Faktor, der v.a. bei komplexeren Verletzungsmustern die Behandlungsstrategie mitbeeinflussen kann.

Meniskus Verletzungen

Warum ist der Meniskus bei Sportverletzungen so häufig mitbetroffen?
Das Kniegelenk verfügt über einen Innen- und einen Aussenmeniskus (Abbildung 2). Erfolgt bei einer Knieverletzung eine Gewalteinwirkung gegen das Gelenk, kann es sein, dass der faserknorpelige und gut bewegliche Meniskus Schaden nimmt.

Meniskus Kniegelenk



Hier finden wir abhängig von bestimmten Unfallmechanismen typische Rissmuster (Abbildung 3). Der Meniskus kann an seiner Fixation am Unterschenkel abreissen (Wurzelavulsion), in seiner Substanz selbst Schaden nehmen (z.B. Lappen- oder Korbhenkelrisse) oder an der Kapselaufhängung (Dissoziationsverletzungen und Rampenläsionen). Menisken mit bereits vorgealterter Substanz brauchen hier tendenziell weniger Krafteinwirkung um Verletzungen davonzutragen als ein junger Meniskus mit frischem und kräftigem Gewebe.

Meniskus Verletzungen

Wann macht es Sinn zu operieren und sollte sofort operiert werden?
Hier heisst es für jeden einzelnen Patienten klar: Eine massgeschneiderte Therapie ist gefragt. Meniskusriss ist nicht gleich Meniskusriss. Das Knie Ihres Nachbarn ist nicht das Ihre. Und allein eine Meniskusveränderung im MRI ist noch kein Grund für eine Operation.

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allein eine Meniskusveränderung im MRI ist noch kein Grund für eine Operation.

Um die Frage nach einer Operation beantworten zu können, müssen wir Kniespezialisten die Art des Risses kennen und andere Patientenfaktoren miteinbeziehen (Achse, Bandstabilität etc.). Es gibt gewisse Meniskusrisse, bei welchen eine notallmässige Versorgung notwendig ist (z.B. eingeklemmter Korbhenkelriss). Bei anderen Meniskusrissen entscheidet über Art und Zeitpunkt der Operation erst der Symptomverlauf. Manchmal ist eine Behandlung ohne Operation möglich, v.a. wenn ein Meniskusschaden am Boden eines Verschleisses vorliegt. Hier wird der Entscheid zur Operation häufig erst dann getroffen, wenn sich das Problem unter konservativer Behandlung nicht bessert.

Welche Operationsmethoden gibt es?
Die Art der Operation ist abhängig vom Risstyp, heutzutage jedoch praktisch immer mit einer Arthroskopie in Schlüssellochtechnik durchführbar. Die häufigsten Operationsmethoden sind hier Meniskusnaht und Teilentfernung.

Manche Rissarten lassen sich z.B. mit speziellen Fadenankersystem nähen. Vorteil ist hier, dass die ursprüngliche Meniskussubstanz erhalten bleibt, die wiederum den Gelenkknorpel vor Arthrose schützen soll. Aber nicht jeder Meniskusriss lässt sich nähen. Je nach Risstyp oder Qualität des Gewebes ist ein Meniskus-erhaltendes Vorgehen nicht sinnvoll. Dann werden instabile Anteile entfernt. Ziel ist es hier, so viel vom Meniskus zu entfernen, damit eine stabile Situation entsteht, jedoch dabei möglichst viel funktionstauglichen Meniskus im Gelenk zu belassen.

Was sollte beachtet werden in der Reha?
Der Meniskus selbst ist ein schlecht durchblutetes Gewebe mit nur mässig gutem Heilungspotenzial. Im Fall einer Naht ist es deswegen extrem wichtig, dass der Meniskus nach der Operation Zeit zum Heilen hat. Das bedeutet während der ersten Wochen nach Operation üblicherweise Einschränkungen in Belastung und Bewegungsausmass. Erst nach einigen Wochen ist der Meniskus wieder belastungsfähig. Die eigentliche Rehabilitation beginnt dann erst nach Freigabe durch Ihren Operateur. Bei der Teilentfernung des Meniskus hingegen darf der Patient bereits unmittelbar nach Eingriff mit dem Belastungsaufbau beginnen.

Der Physiotherapeut hilft dem Patienten, möglichst schnell wieder den Weg in einen normalen, schmerzfreien Alltag mit flüssigem Gangbild zu finden. Für eine möglichst zeitnahe, sportliche Wiedereingliederung im Anschluss sind unsere Kollegen der Physiotherapie sogar Match-entscheidend.

Für eine möglichst zeitnahe, sportliche Wiedereingliederung im Anschluss
sind unsere Kollegen der Physiotherapie sogar Match-entscheidend.

Wann kann ich normalerweise wieder Sport treiben?
Bevor an einem Aufbau gearbeitet werden kann, ist es wichtig, dass der Meniskus je nach Operationsmethode gut verheilt ist. Bei einer Teilentfernung kann der gezielte Belastungsaufbau relativ rasch erfolgen. Nach einer Naht fällt der definitive Startschuss üblicherweise erst nach 6 bis 12 Wochen, je nach Art der Aktivität. Ein Aufbau kann hier gut und gern einige Monate dauern.

Die sportliche Wiedereingliederung muss gezielt vom Physiotherapeuten begleitet werden. Es erfolgt ein stufenweiser Aufbau. Nach Abklingen von Schmerz und Schwellung im frühpostoperativen Verlauf, wird zuerst an Beweglichkeit und Kräftigung gearbeitet. Der Therapeut kümmert sich hier primär um feinmotorische Kontrolle und Eigenwahrnehmung des Muskelmantels, sekundär dann auch um grobe Kraft. Geführte Sportarten wie Wandern, Velofahren und Schwimmen sind schneller wieder möglich, während Stop & Go Sportarten und Kontaktsport erfahrungsgemäss einen längeren Aufbau fordern.


Video: Return to Sports - Sportliche Wiedereinstieg


Was sind die Spätfolgen einer Meniskusverletzung?
Je nachdem, wieviel Stossdämpferfunktion durch den Riss selbst oder die anschliessende Operation verloren geht, kann sich im betroffenen Gelenkanteil mittel- bis langfristig eine Arthrose entwickeln. Ob und wann dies passiert, hängt jedoch von vielen zusätzlichen Begleitfaktoren ab (z.B. Beinachse, genetische Voraussetzungen, Gewicht etc.).

Ein herzliches Dankeschön an Dr.med.Artur Kröll, dass er sich die Zeit genommen hat, uns die häufigeren Probleme um das Kniegelenk näher zu erläutern!

Dr.med.univ. Artur Kröll
Orthopädische Klinik Luzern AG
Stadthofstrasse 4
6004 Luzern
T 041 255 65 51
sekretariat.kroell[at]okl.ch

Artur Kröll

Autor: Artur Kröll


Beitrag Informationen

Kategorie: Physiotherapie
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