Rehabilitation und Physiotherapie - Das Eisberg Prinzip

Physiotherapie ist gleichzeitig Psychotherapie. Das stimmt zum Teil! Wie wichtig deine mentale Einstellung in der Reha ist erfährst du jetzt!

(Sport-)Verletzungen oder körperliche Beschwerden sind unangenehm. Sie haben oft einen grossen Einfluss auf deinen Alltag sowie auf deine sportlichen Aktivitäten. Nicht nur dein Körper ist betroffen, es hat auch einen grossen Einfluss auf deinen Kopf und dies ist der mentale Teil.

Ich vergleiche dies gerne mit einem Eisberg, deswegen auch das Eisberg Prinzip. Der Teil oberhalb des Wassers sind die körperlichen Beschwerden und Behinderungen. Beispiele hierfür: wie beweglich ist dein Knie, ist das Knie geschwollen, hat die Muskelmasse abgenommen, kannst du noch spazieren oder hinkst du?

Der Kopf ist dasjenige, was unter dem Wasser liegt. Hier geht es um Emotionen, Empfindungen, Gedanken und wie man damit umgeht. Dieser Teil ist immer grösser als der Teil, der oberhalb des Wassers liegt. Wie gehst du mit deinen Verletzungen oder Beschwerden um?

Für uns als Physiotherapeut oder Reha-Trainer ist dies eine riesige, aber schöne Herausforderung den Menschen als Gesamtes zu betrachten. Es ist wichtig, dass der Physio oder Trainer den gesamten „Eisberg“ sieht.

Wenn der Physiotherapeut oder Trainer dies nicht erkennt, wird er nur einen Teilerfolg erleben.

Im Gespräch mit dem Patienten kann man bereits schnell verspüren, wie belastend die Beschwerden für den Patienten sind.


Wie erkennt man nun, was sich im Kopf abspielt?

Es gibt eine grosse Anzahl von Anzeichen, die einem zeigen, wie es dem Patienten geht. Ich nenne mal ein paar:

  1. Körpersprache
    Wenn der Patient in Praxis läuft erhält der Physio/Trainer mit nur einem Blick einen guten Eindruck. Es macht einen grossen Unterschied ob du nun mit hängenden Schultern hereinläufst oder du dynamisch und sehr positiv gestimmt über die Schwelle läufst.

  1. Gespräch
    Im Gespräch mit dem Patienten kann man bereits schnell verspüren, wie belastend die Beschwerden für den Patienten sind. Ich habe übrigens bereits oft erlebt, dass nicht die körperlichen Beschwerden das grösste Problem waren, aber private und mentale Umstände. Wir sprechen dann von „psycho-sozialen“ Beschwerden.


  2. Reha-Verlauf
    Bei einem „normalen“ Reha-Verlauf weiss ein erfahrener Physio/Trainer, wie dies ablaufen wird. Er weiss auch wie lange die Schritte dauern bis zur Verbesserung. Wenn ich merke, dass ein Patient viel länger braucht als erwartet oder überhaupt keine Besserung merkbar ist, dann sollte man sich Gedanken machen, ob es auch noch andere Problemen gibt, die vielleicht nicht ganz sichtbar sind.

  1. Compliance Patient
    Entscheidend ist auch, wie aktiv der Patient selbst in der Rehabilitation ist. Ist er aktiv und motiviert oder total demotiviert und energielos.


Reha Training – Kopf und Körper

Jetzt schaue ich mal, wie ich dieses Prinzip in meiner Rehabilitation umsetzen kann. Ich gebe dir mal einen alltägliches Beispiel an Hand eines Kreuzband (Knie) Patienten.

Bei einem Fussballspiel möchte ein Fussballspieler einen Kopfball machen. Bei der Landung kommt er in Kontakt mit einem anderen Spieler. Landet schlecht und verdreht sein Knie. Diagnose Kreuzband Riss und eine darauf folgende Operation.

In der Reha sollte der Physio/Trainer erst das vollste Vertrauen des Patienten gewinnen. Ohne dieses geht gar nichts. Wenn du als Patient kein Vertrauen in deinen Physio hast, solltest du am besten einen anderen Physio suchen. Dies ist überhaupt die Basis für eine optimale Reha!

Wenn das Vertrauen da ist, geht es um einen guten Aufbau. Hier geht es darum die Stabilität, Kraft usw. wieder aufzubauen. Es geht auch darum, das vollste Vertrauen ins Knie wieder zu gewinnen sowie Bewegungsabläufe wieder zu erlernen.


Für die Endphase der Reha bedeutet dies, dass die „Traumabewegung“, also die Bewegung der Verletzung, mehrmals stattfinden sollte. In dem unterstehenden Video gebe ich dir ein Beispiel einer Handballspielerin:


Zum Schluss

Ich bin mich sehr bewusst, dass dieser Bereich der Physiotherapie und/oder Rehabilitation ein enormer Bereich ist und dass dieser Blogbeitrag einen bescheiden Beitrag daran liefert. Wichtig ist, dass nicht nur das behandelt werden sollte, was man sieht, sondern der Therapeut/Coach sollte auch einen positiven Einfluss auf das haben, was man er nicht sieht.

Pieter Keulen

Autor: Pieter Keulen


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