Pieter Keulen
29 Jan

Gesundheitskosten Schweiz – ein Drama!

Kategorie: Allgemein, Gesundheit, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Die Gesundheitskosten steigen und steigen, es scheint das Ende nicht in Sicht. Und das wird es auch nicht sein, da das Gesundheitswesen ein grosser Topf mit Geld ist, der viel zu verdienen fallt. Wer ist schuld daran? Gehen wir dieser Frage einmal nach.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) haben die Gesundheitsausgaben pro Einwohner/in in 2017 816 Franken pro Monat betragen. Dies ist der doppelte Betrag aus dem Jahre 1996. Gehen wir doch ein paar weiteren Zahlen nach… Was macht es dann so teuer und wo können wir sparen?

Kosten der Medikamente

In 2017 betrugen die Medikamentenkosten 7,5 Milliarden Franken in der Schweiz. In unserem Nachbarland Deutschland haben sie, was die Wirkung von Medikamenten angeht, eine Studie durchgeführt. Diese Untersuchung ist durch die Stiftung Warentest gemacht worden. Rund 20% der meistverordneten Medikamente sind zur Behandlung nur wenig bis gar nicht geeignet. Also kann man sich ausrechnen, dass man hier 1,5 Milliarden Franken hätte sparen können an Medikamenten, die wenig bis gar keine Wirkung haben.

Eine Publikation in der Aargauer Zeitung zeigte, dass wir in der Schweiz zusätzlich 1,1 Milliarden Franken zuviel Krankenkassenprämien zahlen. Der Grund, die Kosten der Medikamente sind in der Schweiz massiv höher als im Ausland. Selbstverständlich wehrt sich die Pharmalobby gegen die Senkung der Medikamentenpreise.

Wenn man also diese beide Zahlen zusammenrechnet könnte man also 2,6 Milliarden pro Jahr sparen. Das wären also fast 30% Kosten, die man nur in puncto Medikamente einsparen könnte.

30% Unnötige Operationen und Behandlungen

Daniel Scheidegger ist Präsident der Schweizerischen Akademie für Medizinische Wissenschaften. Seiner Meinung nach werden bis zu 30% unnötige Operationen Behandlungen durchgeführt oder schaden sogar den Patienten….Kann mich also vorstellen das hier einiges sparpotential liegt…

Teure Check-ups

Gemäss BFS sind Krankheiten des Muskel-Skelett-System die häufigsten Gründe für einen Spitalbesuch, zweithäufigste Gründe sind Verletzungen, dann Erkrankungen des Kreislaufsystems.  Um dieses genauestens zu untersuchen, stehen in Schweizer Spitäler 188 Magnetresonanztomographen (MRT) und 205 CT-Scanner zur Verfügung.  Tendenz stark steigend!

Laut einer Hochrechnung des Krankenkassenverbands Santésuisse wurden 2011 rund 520. 000 MRI- und 385. 000 CT-Check-ups gemacht. Im ersten Fall kostet dies zwischen 450 und 600 Franken pro Eingriff, im zweiten zwischen 500 und 1200 Franken.

In einigen meiner Beiträge “MRI – CT Scan und Co – Sinn oder Unsinn?“ habe ich bereits erwähnt, dass viele Mediziner leider ihr „Handwerk“ verloren haben Patienten zu untersuchen, ebenso sich Zeit zu nehmen, um auch psycho-soziale Beschwerden festzustellen. Persönliche Problemen, die ein Patient hat, sind nicht sichtbar auf einem MRI-Bild. Kann jedoch eine sehr bedeutsame Rolle spielen für die Gesundheit.

Krankenkassen

Jetzt „wehren“ sich, so wie es auf dem ersten Blick aussieht, die Krankenkassen gegen diese Entwicklung. Die Neue Zurcher Zeitung nennt dies aber ein „Pseudowettbewerb“ der Krankenkassen. Gemäss der NZZ spüren Krankenkassen Ärzten nach, die zu viel abrechnen (dies machen sie übrigens auch bei Physiotherapeuten).

Schräg aber ist, dass die Verdienste ihrer Manager zum Teil mehr als eine halbe Million Franken pro Jahr betragen.

Was übrigens vollkommen fehlt ist die Transparenz, warum bei Krankenkassen überhaupt die Kosten steigen? „Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sollte eigentlich die Krankenkassen überprüfen“, so Matthias Weishaupt, Gesundheitsdirektor. Das Problem: die Krankenkassen liegen ihre Bücher nicht offen für den BAG, so Herr Weishaupt. Es fehlt also jede Aufsicht.

Sport oder Medikamente

Die Harvard Medical School veröffentlichte eine Studie, in der in total 340.000 Patienten untersucht wurden. Es ging darum was mehr bringt: Sport oder Medikamente. Das Ergebnis war, dass Sport eine besonders heilende Wirkung hatte bei Herzproblemen und Diabetes. Dazu kam, dass Sport und Bewegung bei Patienten nach einem Schlaganfall weitaus wirkungsvoller waren als die Wirkung von Medikamenten.

Die Forscher empfehlen, dass Ärzte mehr Sport und weniger Medikamente verschreiben sollten. Auch was die orthopädische Behandlung von Patienten angeht haben Studien eindeutig bewiesen, dass Sport und Bewegung die eindeutig besseren Wirkungen haben als Medikamente und teure Operationen.

Trotzdem wird es schwierig sein Sport als Medikament zu verschreiben. Warum nicht… weil man an Sport nichts verdient…und viele Menschen ein Medikament bequemer finden als zu schwitzen…

Nicht nur Arzte, Pharma und Krankenkassen

Patienten möchten genauestens abgeklärt haben, welche gesundheitlichen Probleme sie haben. Sie sind dabei oft der Meinung, dass wenn sie doch so viele Krankenkassenbeiträge zahle, sie auch etwas davon haben möchten! Patienten rennen zum Arzt, der Arzt sollte sie genau untersuchen. Labor, Röntgen, MRT, CT-Scans, Belastungstests und so weiter und so weiter. Wenn der Arzt sich weigert, ist der Patient irritiert und sucht so lange einen Arzt bis er einen Arzt findet, die ihm genau das verschreibt, was der Patient sich wünscht.

Die Lösung

So lange die Pharmaindustrie, Gesundheitsindustrie und Menschen, die im Gesundheitswesen tätig, eine so starke Lobby in der Politik wie bisher habe, wird sich wenig ändern. Man möchte natürlich den „grossen Topf mit Geld“ nicht aus den Händen geben. Politiker, die effektive Entscheidungen durchführen könnten, aber zu wenig „Rückgrat“ haben dies tatsächlich zu tun, werden auch keine Änderung bringen. Patienten die bereits enorme Gesundheitskosten zahlen möchten auch nicht verzichten auf alle tollen Untersuchungen.

Sind wir bereit für weniger?!

Sind wir bereit auf teure Untersuchungen und Operationen zu verzichten? Mehr Sport zu machen und weniger Medikamenten zu schlucken?

Wir sollten uns bewusst sein, dass ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung es sich einfach nicht mehr leisten kann zum Arzt zu gehen. Menschen Leiden und/oder sterben, weil sie es einfach nicht zahlen können. Sind wir wirklich so asozial, dass wir dies hinnehmen?

Ich hoffe es nicht! Weniger ist mehr, für uns allen.

 

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