Toine van de Goolberg
11 Sep

Sportphysiotherapie und Rehabilitation – Der Rehabaum

Kategorie: Fitness, Medizinisches Training, Physiotherapie, Videos

Für Sportler und Patienten ist in der Rehabilitation notwendig, dass der Trainer/Physiotherapeut ein Konzept hat. Ohne Konzept hat man eigentlich keine Ahnung, was bei einer Verletzung zu tun ist und wohin der Weg führt. Dies ist ein ganz besonderer Blogbeitrag!  Ein Gespräch mit dem Entwickler des Konzepts „Der Rehabaum“ und ehemaligen Leistungssportler, Toine van de Goolberg.

 

Vorwort Pieter Keulen: Nach meiner Ausbildung an der Sportschule C.I.O.S. in Heerenveen von 1983-1988, begann ich direkt im Anschluss von 1988-1992 mit der Physiotherapie-Ausbildung. In der Sportlehrer-Ausbildung waren Methodik (wie baut man ein Training auf), Trainingslehre, Trainingsphysiologie und weitere spannende Themen die zentralen Inhalte.

Gleich zu Beginn meiner Ausbildung an der Fachhochschule für Physiotherapie musste ich feststellen, dass es kein Reha- und Trainingskonzept gibt, keine Struktur und niemand eine Ahnung hat, wie man einen Patient nun wirklich fitter macht… Eine wirklich grosse Enttäuschung für mich…

1995, 3 Jahre nach Abschluss meiner Ausbildung als Physiotherapeut traf ich als frustrierter Physiotherapeut dann Toine van de Goolberg. In einer höchst interessanten Weiterbildung sprach er darüber, dass man eine Trainingsstruktur braucht, ein Trainingskonzept wichtig ist, dass man Messungen braucht, um mehr über die Belastbarkeit von Menschen zu erfahren, es wichtig ist, wie man Menschen coacht bzw. trainiert und, und, und…  Ich war begeistert! Darauf habe ich gewartet!

Sein Konzept „Der Rehabaum“, auf Niederländisch „de Rehaboom“ ist seit Jahren DAS Konzept, mit dem wir im Medical Training Center täglich arbeiten. Ich freue mich besonders darüber, dass Toine bereit war, mir einige Fragen zu ‚seinem‘ Rehabaum zu beantworten!

  

Frage 1      Was beinhaltet das Konzept „Rehabaum“?

Toine van de Goolberg  „Der Rehabaum“  ist eine modellbasierte, methodische Denkweise zum funktionellen Belastungsaufbau nach Verletzungen und / oder Krankheiten. Das Wort „Reha“ steht hierbei als Abkürzung für Rehabilitation; das Wort „Baum“ habe ich wegen der Darstellung von vielen Verzweigungen / Verbindungen gewählt – damit ist das genannte Modell „Der Rehabaum“ gut umschrieben.

Dieses verzweigte Modell ist ein praxisorientierter evidenzbasierter Ansatz, der nach Möglichkeit wissenschaftlich fundiert ist. Darin sind alle komplexen motorischen Grundeigenschaften enthalten.

Die Logik hinter diesem Schritt-für-Schritt-Plan ist, dass der Rehacoach zu jeder Zeit eine klare Übersicht aller Schritte hat, die er in der Rehabilitation bereits gemacht hat und über die, die er noch vor sich hat, ohne dabei den Gesamtüberblick zu verlieren.

Das Modell ist ein Flussdiagramm, nach dessen Vorgaben die gewünschte funktionelle Belastbarkeit und Fitness von Patienten schrittweise wiederhergestellt wird.

Der Rehabaum“ ist daher also ein verzweigter (Trainings-) Zeitplan, in dem der sinnvolle und strukturierte Verlauf der Trainingstools  sichtbar gemacht wird. Man behält immer die gesamte Übersicht und trainiert diejenigen Aspekte, die für den jeweiligen Patienten individuell notwendig sind, um wieder fit zu werden.

Das Konzept von „Messen ist Wissen“ bestimmt, ob ein nächster Trainingsschritt auf das nächste Level im Rehabaum gemacht werden kann.

Die Anzahl der Schritte hängt immer vom individuellen Ziel und Niveau des Patienten ab und z. B. auch vom Alter des Patienten, Nicht-Athleten und (Top-) Athleten, allerdings unabhängig davon, ob jemand verletzt ist oder nicht. So findet jeder seinen Platz im „Rehabaum“-Modell.

 Frage 2      Wie ist die Idee entstanden, den „Rehabaum“ zu entwickeln?

Toine van de Goolberg: „Die Idee, ein funktionelles Aufbau- /Ablaufdiagramm zu erstellen, entstand bereits 1995. Während dieser Zeit unterrichtete ich Physiotherapeuten im Fach Rehabilitationstraining in Theorie und Praxis. Meine Schüler fragten nach einem Schritt-für-Schritt-Plan, wann ein bestimmtes Trainingstool verwendet werden könnte, ohne Patienten zu überfordern, sie aber auch nicht zu unterfordern!

Als Antwort gab ich: „Entscheidend ist, dass das durchgeführte Training im Hinblick auf die Qualität genau zu beobachten ist und dabei vermehrt Messungen durchzuführen sind, um damit zur Trainingskontrolle Defizite und Fortschritte festlegen zu können. Messen ist Wissen!“

Die Idee für das erste Diagramm war „geboren“. In den folgenden Jahren wurde dann der Zeitplan durch Erfahrungen aus der Praxis verbessert, seit 2005 wurden im Inhalt des „Rehabaums“ keine Änderungen mehr vorgenommen.

Dieser 26-Stufen-Plan im „Rehabaum“ ist auf die komplexen motorischen Grundeigenschaften zurückzuführen. Im Zentrum stehen hierbei Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer.

Jede Person ist nach dem „Rehabaum“ ab Stufe 1 trainierbar. Es werden dann die weiteren Schritte festgelegt und geplant. Die Anzahl der Schritte hängt individuell von der Person ab betreffend ihrer funktionellen Analyse der gewünschten Kondition unter Berücksichtigung der körperlichen Möglichkeiten und vorhandenen Defizite. Dabei muss der Trainer das Ziel, das Alter und die Erfahrung der betroffenen Person beachten.

Ohne das Flussdiagramm gibt es keine klare Übersicht darüber, wie viele und welche Schritte bis zum festgelegten funktionellen Ziel ausgeführt werden müssen. Übrigens wird derselbe Ablaufplan auch für den Wiederaufbau der Belastbarkeit verwendet, neben (Sport-) Physiotherapeuten verwenden Krafttrainer den gleichen Zeitplan.

Ohne dieses Schema geht der Überblick der aktuellen Situation schnell verloren, was zur Folge hat, dass Patienten unter- oder überbelastet werden. In diesem Flussdiagramm findet der Trainer/Physiotherapeut alle individuell abhängigen Belastungsvariablen, allerdings unabhängig von der Zielgruppe. So herrscht zu jeder Zeit Klarheit über die genaue, aktuelle Belastbarkeit, Trainingsintensität, Regeneration, Trainingsplanung, die beim Sportler/Patient durchgeführt werden soll. Verletzungen können durch zu hartes Training provoziert werden und einem zu leichten Training fehlt die Progression, d.h. es bringt nicht das gewünschte Ergebnis…

Frage 3   Was ist der Zweck des „Rehabaums“?

Toine van de Goolberg: Der Zweck des „Rehabaums“ ist die sinnvolle, funktionelle Planung der richtigen Route im Bereich der Rehabilitation. Jedes Training braucht also eine methodische Strategie, sodass die betroffene Person wieder vollständig fit wird. Der „Rehabaum“ verhindert Fehler in der Trainingsstruktur!

Verweilt man zu lange bei einem der 26 Elemente oder wird der nächste Schritt zu schnell ausgeführt – beides ist unerwünscht und verlängert auch die optimale Rehabilitation unnötig. Der „Rehabaum“ führt den Patienten durch alle erforderlichen Schritte, um eine als Ziel gestellte Aufgabe mit möglichst wenigen Einschränkungen wieder ausführen zu können.

Die Voraussetzungen dazu sind ausreichende Kenntnisse des Übungsmaterials (Methodik) und der Belastungsvariablen (Übungsphysiologie) der Trainer oder Physiotherapeuten.

 

Frage 4       Wer kann den „Rehabaum“ nutzen?

Toine van de Goolberg: Jeder, der sich körperlich eingeschränkt fühlt, profitiert vom „Rehabaum“!

Dies gilt sowohl für jedermann, Senioren als auch für (Top)- Sportler. Zwischen diesen verschiedenen Zielgruppen kann es einen sehr grossen (Fitness)-Niveauunterschied geben. So wird z.B. die Übungsauswahl, die Intensität des Trainings, die Belastbarkeit, die Regeneration bei Senioren (sogar bis zu 90-jährigen Personen) sicher anders aussehen als bei Weltklasse-Athleten, das ist logisch.

Man sollte aber nie vergessen, jeder Mensch ist trainierbar – sofern ein verantwortungsbewusster Trainingsanreiz gegeben ist. Ein zu hartes Training führt zu Verletzungen und zu leichtes Training zu fehlender Progression, d.h. es bringt nichts…

VIDEO

Frage 5       Wo kann ich mehr über den „Rehabaum“ erfahren?

Toine van de Goolberg: Der einzige Weg ist eine gezielte Schulung / Weiterbildung!

Hier einige Tipps:

–           Toine van de Goolberg bietet Workshops an – fragen Sie ihn direkt an!

–           Kauf des Buches „De Rehabaum“ / auf Niederländisch, siehe www.toinevandegoolberg.nl

–           Machen Sie ein Praktikum bei erfahrenen „Rehabaum“-Trainern

–           Lesen Sie Literatur / momentan nur auf Niederländisch, siehe www.toinevandegoolberg.nl,

–           Anmeldung bei ‚Toines Tipps‘

–           Gehen Sie auf die Suche nach Weiterbildungen, in denen der „Rehabaum“ ausreichend besprochen wird.

Kontakt: Toine van de Goolberg, Entwickler Rehaboom®: info@toinevandegoolberg.nl   www.toinevandegoolberg.nl   Tel. 0031-6-53 33 2678

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