Pieter Keulen
12 Sep

Adduktorenzerrung – Leistenzerrung, Ursache und Behandlung

Kategorie: Medizinisches Training, Physiotherapie, Videos
Autor: Pieter Keulen

Besonders bei Fussball- und Hockeyspielern kommen muskuläre Beschwerden an der Innenseite des Beines häufig vor. Dies könnte eine Adduktoren-Verletzung, oder wie man es auch nennt, eine Leistenzerrung sein. In diesem Beitrag kannst du mehr lesen zur Ursache und Behandlung.

Adduktoren und Abduktoren

Die Muskelgruppe auf der Innenseite deines Oberschenkels nennt man auch die Adduktorengruppe (m.adductor Longus, m.adductor brevis, m.adductor magnus, m.pectineus und die m.gracilis). Der Verlauf der Muskelpartie läuft vom Schambein zur Innenseite des Oberschenkels. Die Hauptfunktion dieser Muskelgruppe ist die Adduktion (heranführen) des Oberschenkels zum Hüftgelenk.

Neben der Adduktorengruppe kennen wir auch die Abduktorengruppe (m.gluteus medius, m.gluteus minimus und m.piriformis), besser bekannt als die Gesässmuskulatur. Die Hauptfunktion ist das seitwärts (nach aussen) bewegen von deinem Bein. Daneben kann diese Muskelgruppe auch dein Bein nach vorne bewegen (Flexion) und nach hinten bewegen (Extension). Zusätzlich kann es dein Bein nach aussen rotieren.

So sind also die Adduktoren auf der Innenseite und die Abduktoren an der Aussenseite von Bein und Becken. Gemeinsam sorgen diese Muskelgruppen für eine Stabilität im Becken während du gehst, joggst oder Sport treibst.

Diagnose Adduktoren Verletzung

Wenn es zu einer Verletzung deiner Adduktoren kommt, kann man dies grob in drei Grade einteilen:

Grad 1 (Überdehnung des Muskels): in diesem Fall treten Schmerzen während oder nach dem Sport auf. Dies ist meistens nicht ein sofortiger Schmerz. Viele Sportler verspüren bereits vorher ein Spannen oder ein Krampfgefühl im Oberschenkel.

Grad 2 (Zerrung, eventuelle Muskelfaserriss): dies tritt sofort bei einer Belastung auf. Der Druck auf den Muskel ist sehr oft schmerzhaft. In diesem Fall sind bereits mehr als 5% der Muskelfasern gerissen.

Grad 3 (starke Zerrung und Muskelfaserriss): hier tritt bei einer Belastung sofort ein stechender, brennender Schmerz auf. Normales Gehen ist praktisch nicht mehr möglich. In der Regel entsteht ein blauer Fleck (Hämatom).

Ursache

Es können verschiedene Faktoren dazu führen, dass du eine Adduktoren-Zerrung bekommst. Hier ein kleiner Überblick:

  1. Schnelle explosive Bewegung

Sportarten bei denen es sich um schnelle, explosive Bewegungen handelt, manchmal ruckartig. Vielleicht kennst du das, dann rutscht dein Bein nach aussen und du versuchst das Gleichgewicht zu halten. Hier werden die Adduktoren stark beansprucht und es kann zu einer Verletzung führen. Insbesondere wenn die Personen kaum ein Warming up durchgeführt hat, kann es schnell zu dieser Verletzung kommen.

  1. Anatomische Änderung des Skeletts

Wenn Becken, Hüfte oder Wirbelsäule im Ungleichgewicht stehen, dein Körper schief steht oder es eine Beinlängendifferenz gibt, kann dies zu einer erhöhten Spannung in der Beinmuskulatur führen.

  1. Zunehmendes Alter

Im Alter nimmt die gesamte Belastbarkeit ab und man wird, wenn man nicht regelmässig trainiert, steifer. Bei unerwarteten Bewegungen, auch hier meistens beim Ausrutschen, kommt es bei Senioren häufig zu einer Leistenzerrung.

  1. Ungenügende muskuläre Stabilität und Kraft im Beckenbereich

Die gesamte Beckenbodenmuskulatur, insbesondere die Bauchmuskulatur, spielt eine wichtige Rolle für eine bessere Stabilität im Becken- und Hüftbereich. Aus diesem Grund spielen die präventiven Massnahmen eine äusserst wichtige Rolle (dazu später mehr).

 

Behandlung Adduktoren Zerrung

In der Physiotherapie kennt man die passiven und aktiven Behandlungsmethoden, die eingesetzt werden.

Passive Behandlungsmöglichkeiten sind Massagen, Trigger Point Behandlungen, Dehnungen, Mobilisationen im Hüftgelenk, Wärmepackungen und weitere.

Betreffend der aktiven Rehabilitation arbeiten wir zum Beispiel im Medical Training Center mit einem Phasenmodel.

Phase 1                Isometrische Kontraktionen der Adduktoren, diverse Übungen für die Bauchmuskulatur, Stabilitäts- und Gleichgewichtstraining für Hüfte und Becken

Phase 2                Methodischer Aufbau mittels Trainingsformen in der geschlossenen Kette, u.a. Kniebeugen, Step Up, Kreuzheben (in verschiedenen Beinpositionen), Beinpresse, dies sind einige der möglichen Übungen.

Phase 3                Exzentrisches Training mit- und ohne Freihanteln u.a. Ausfallschritte in verschiedene Richtungen (vorwärts, seitwärts)

Phase 4                Sportspezifisches Training, Sprints, Starts, Stop & Go, Sprünge

In diesem Phasenmodel ist es wichtig, dass der Sportler beschwerdefrei trainieren kann bevor der Schritt in die nächste Phase stattfindet. Muskeln und Sehnen werden hier methodisch belastet.

Es ist schwierig eine Aussage geben zu können wann der Zeitpunkt für den Wiedereinsteig in den Wettkampf stattfinden sollte. Dies ist u.a. abhängig von der Stelle der Verletzung, war dies am Übergang Sehne-Knochen, in der Sehne, am Sehnen-Muskelübergang oder im Muskel selbst? Grundsätzlich kann man sagen, wenn die Verletzung im Muskel selber stattgefunden hat, wird die Prognose einiges besser sein als am Knochen-Sehnen-Übergang. Einfach weil der Muskel besser durchblutet ist als die Sehnen.

Erfahrungsgemäss kann man sagen, dass Verletzungen der Adduktoren oft unterschätzt werden und dass, sicher im Breitesport, oft zu häufig zu schnell wieder versucht wird intensiv Sport zu treiben.

Prävention

Vorbeugen ist immer besser als Heilen! Deswegen zum Schluss ein paar Tipps.

Generell profitieren deine Muskeln sehr von exzentrischem Training, welche du in Phase 3 und 4 lesen konntest. Übungen (welche man überraschend noch häufig sieht) auf einem Fitness Gerät sitzend einen Ab- und Adduktion Bewegung durchführen, bringt nichts. Dies ist eine Verschwendung der Zeit. Das gleiche gilt für präventives Training in der offenen Kette.

Hoffentlich kannst du etwas anfangen mit diesen Tipps. Sonst melde dich wenn du Fragen hast!

 

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