Georg Froehlich
25 Mai

Herz und Herzerkrankungen – 6 Fragen und Antworten mit PD Dr. med. Georg Fröhlich

Kategorie: Gesundheit, Medizin

Freue dich über den zweiten Gast-Blog, diesmal mit Privatdozent Dr. med. Georg Fröhlich, Kardiologe in der HerzClinic Luzern (Hirslanden Klinik St. Anna). Ihm habe ich 6 praxisnahe Fragen übers Herz gestellt. Hier sind einige hochinteressante Antworten

Frage; „Warum bekommen manche Personen die viel Sport treiben und gesund leben einen Herzinfarkt und so manch anderer, der gar keinen Sport treibt und raucht wird 100 Jahre alt? Wie kann das sein?“

Die Frage ist berechtigt, warum beispielsweise der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt 96 Jahre alt wurde, obwohl er Zeit seines Lebens ein starker Raucher war (sein Spitzname war „Smoky“)? Umgekehrt verstarb der junge und extrem sportliche Berliner Radiomoderator Sebastian Radke mit 40 Jahren an einem Herzinfarkt. Die Antwort darauf liegt im Vorhandensein von sogenannten „Risikofaktoren“ für das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen, wie eben dem Herzinfarkt. „Die Macht der Gene“ ist hierbei eine bedeutende Einflussgrösse!

Es ist richtig, dass das Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhter Cholesterinwert, Zuckerkrankheit, Übergewicht, Bewegungsmangel und besonders auch das Alter (Männer >50 Jahre, Frauen >60 Jahre) wichtige Faktoren sind, welche zum Auftreten von Herzerkrankungen, im schlimmsten Fall einem Herzinfarkt beitragen können.

Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang aber auch die Gene und die „Vererbung“ von Risikofaktoren. Es ist bekannt, dass Herzerkrankungen, besonders der Herzinfarkt bis zu einem gewissen Grad „vererbbar“ sind. Das Risiko selbst einen Herzinfarkt zu erleiden ist dann erhöht, wenn der Vater mit einem Alter <55 Jahren oder die Mutter mit einem Alter <65 Jahren einen Herzinfarkt erlitten hat. In diesem Zusammenhang muss allerdings auch erwähnt werden, dass nicht nur die Gene an sich vererbt werden, sondern auch der Lebensstil! Es ist bestens bekannt, dass Kinder von Rauchern auch eher selbst zu Rauchern werden und dass sportliche Eltern auch ihre Kinder zu Sport und einem gesunden Lebensstil motivieren werden.

 

Frage; „Wann genau spricht man von einem „Risikofaktor“ und was kann ich dagegen tun?“

Es gibt die „modifizierbaren“ Risikofaktoren, welche man durch Medikamente oder durch eine Änderung des Lebensstils beeinflussen kann (z.B. Bluthochdruck und Diabetes) und eben die Risikofaktoren, welche man nicht beeinflussen kann (z.B. das Alter und die genetische Veranlagung). Gut behandelbar ist beispielsweise der Bluthochdruck. Bei einer 24-Stunden Blutdruckmessung sollte der Blutdruck im Durchschnitt <130/80mmHg betragen.

Ob und wann eine Therapie mit Medikamenten begonnen werden sollten, muss   gemeinsam mit dem behandelnden Arzt individuell besprochen werden. Oftmals reicht bereits eine sportliche Betätigung und Gewichtsreduktion sowie eine Reduktion des Salzkonsums aus, um die Blutdruckwerte wieder in den Zielbereich zu bringen. Sind gleichzeitig noch andere Risikofaktoren neben dem Bluthochdruck vorhanden – wie zum Beispiel Diabetes oder ein hoher Cholesterinwert – wird der Arzt wohl früher Blutdruckmedikamente verordnen.

Beim Cholesterinwert ist vor allem das „schlechte Cholesterin“ – der LDL–Wert entscheidend. Besteht ansonsten kein weiterer Risikofaktor, wird man vorerst mit einer Cholesterin armen Diät versuchen, das Cholesterin in den Zielbereich abzusenken. Ist bereits ein Herzinfarkt eingetreten oder musste schon ein Stent in ein Herzgefäss eingesetzt werden, dann wird immer mit einer Cholesterin senkenden Therapie begonnen. Es konnte in vielen Studien klar gezeigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit nach einem ersten Herzinfarkt wieder einen Infarkt zu erleiden umso geringer ist, je tiefer das LDL Cholesterin ist.

Weitere Risikofaktoren

  • Die Zuckerkrankheit, insbesonders der „Alterszucker“ oder Diabetes Typ II ist eng verknüpft mit Übergewicht, Bluthochdruck und hohem Cholesterinspiegel. Eine Zuckerkrankheit kann einerseits über Bluttests und auch durch Urintests (Zucker im Urin) festgestellt werden. Ein Diabetes II kann anfangs häufig durch Gewichtsreduktion und eine Diät gut eingestellt werden.Es ist von grosser Bedeutung, dass sowohl der Bluthochdruck, als auch ein hoher Cholesterinspiegel und auch ein hoher Blutzuckerwert über lange Zeiträume oftmals keine Beschwerden verursachen, und dennoch stetig einen Schaden an den Blutgefässen verursachen, bis es unter Umständen schliesslich zu einem Infarkt kommt. Lässt sich ein Patient nicht von Zeit zu Zeit beim Arzt untersuchen, können diese wichtigen Risikofaktoren über viele Jahre unentdeckt bleiben. Umgekehrt kann eine rechtzeitige Behandlung dieser Risikofaktoren Herz-Kreislauf Erkrankungen verhindern und Schaden abwenden!
  • Rauchen ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Herzkreislauferkrankungen. Durch diverse Inhaltsstoffe im Zigarettenrauch kommt es zu einer Schädigung der Blutgefässe, was sich über die Jahre verschlechtern kann und dann schwere Erkrankungen (ebenfalls z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) hervorrufen kann. Hört ein Patient auf zu rauchen, dann senkt er dadurch sein Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden innerhalb von 15 Jahren wieder auf das Niveau eines Nichtrauchers ab. In grossen Studien in Italien konnte gezeigt werden, dass durch das Einführen eines Rauchverbotes in Bars und Restaurants im Jahr 2005 das Herzinfarktrisiko in der Gesamtbevölkerung deutlich reduziert werden konnte. Der Grund hierfür liegt vor allem auch darin, dass das Passiv-Rauchen von beispielsweise Restaurantangestellten damit praktisch ausgeschaltet wurde. Dies unterstreicht die Bedeutung des Rauchens als Risikofaktor.

 

Frage; „Was sollte ich beachten, wenn ich blutdrucksenkende Medikamente und/oder Beta-Blocker nehme, kann ich „normal“ Sport treiben?“

Patienten mit Bluthochdruck, die regelmässiger sportlicher Betätigung nachgehen wollen, sollten sich gut von ihrem Internisten oder Kardiologen beraten lassen. Insbesondere sollte beispielsweise mit einer Herzultraschalluntersuchung  überprüft werden, ob die Pumpkraft des Herzens normal ist. Weiters sollte ein Belastungstest (Anm. Ergometrie, bei der der Patient auf einem Fahrrad sitzt und gegen einen immer stärkeren Widerstand tritt) durchgeführt werden. Dabei wird der Blutdruck in engen zeitlichen Abständen gemessen und ein EKG aufgezeichnet, während sich der Patient immer stärker auf dem Fahrrad anstrengt. Steigt der Blutdruck unter Belastung zu stark an, so sollte eine Anpassung der Blutdruck senkenden Medikamente erfolgen, bevor der Patient ein regelmässiges körperliches Training beginnt.

Blutdruck

Beta-Blocker können die Herzfrequenz absenken und wirken so wie eine „Motordrossel“. Auch hier kann eine einfache Ergometrie (siehe oben) bei Ihrem Kardiologen aufzeigen, ob die Medikamente gut eingestellt sind, oder ob eine Anpassung erforderlich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch bei Bluthochdruck Sport betrieben werden kann und soll. Bluthochdruckpatienten sollten idealerweise aber zuerst von einem Facharzt abklärt werden und ein Trainingsprogramm gemeinsam mit Arzt und dem Fitnesstrainer oder Physiotherapeuten erarbeitet werden

 

Frage; „Kann man nach einer Stent-OP oder Bypass-OP wieder „normal“ Sport treiben?“

Sofern die Pumpleistung des Herzens nicht eingeschränkt ist, kann man auch nach einer Stent-Implantation oder einer Bypass-OP wieder Sport treiben. In jedem Fall sollte hier eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Kardiologen erfolgen, der ein Trainingsprogramm zusammenstellen kann. Viele Patienten sind auch bei „Herzsportgruppen“ oder bei speziell ausgebildeten Physiotherapeuten in Betreuung. Es erfolgen auch regelmässige Verlaufsuntersuchungen mittels Ergometrie beim Facharzt (siehe oben), sodass der Trainingsplan kontinuierlich optimiert werden kann.

 

Frage; „Es gibt eine grosse Kontroverse betreffend „gutem“ und „schlechtem“ Cholesterin. Was stimmt nun wirklich?“

Wie bereits oben beschrieben ist ein hoher Cholesterinwert ein bedeutender Risikofaktor, welcher unbehandelt zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen kann. In grossen Studien konnte eindeutig belegt werden, dass mit steigendem Cholesterin ein linearer Anstieg der Herzinfarkt- und Schlaganfallhäufigkeit einhergeht.

Beim Cholesterin unterscheidet man das a) „gute“ Cholesterin (HDL – High Density Lipoprotein)  , welches das Cholesterin aus der Peripherie des Körpers zurück zur Leber transportiert, wo es weiter verstoffwechselt wird (das HDL wirkt quasi Ablagerungen in den Gefässen entgegen, man sollte hier also einen möglichst hohen Wert an HDL haben) vom b) „bösen“ Cholesterin (LDL – Low Density Lipoprotein), welches das Cholesterin in die Peripherie bringt (z.B. die Herzgefässe wo es dann Cholesterinablagerung bildet). Vom LDL sollte man einen möglichst tiefen Wert aufweisen (<1.8mmol/l bei Patienten welche bereits einen Stent oder Bypass benötigt haben).

 

Frage; „Haben Sie einige Tipps, um ein gesundes und fittes Herz (und Herzkreislauf) zu behalten?“

  • Das Herz ist ein Muskel!

Entsprechend muss auch das Herz trainiert werden. Egal ob Sie neu mit einem Training beginnen oder gar auf einen Marathon trainieren oder ob Sie nach einer Herzerkrankung wieder mit dem Aufbautraining beginnen, sollten Sie primär mit Ihrem Kardiologen ein grobes Trainingsprogramm entwickeln, welches dann im weiteren Verlauf umgesetzt wird (ggf. im Rahmen einer Herzsportgruppe oder mit Ihrem Physiotherapeuten).

Velofahrer

Bei Profi-Fussballspielern erfolgt beispielsweise immer ein kardiologisches Check-up vor Beginn der Verpflichtung in einen neuen Verein. Auch bei den Olympischen Spielen werden die Wettkämpfer systematisch kardiologisch untersucht, um Herzprobleme frühzeitig zu erkennen

  • Hören Sie auf Ihren Körper!

Gehen Sie ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt nicht an Ihre Leistungsgrenzen (speziell nicht in höherem Lebensalter) und ignorieren Sie etwaige Brustbeschwerden unter Belastung nicht! Als interventioneller Kardiologe behandele ich immer wieder Patienten mit akutem Herzinfarkt, welche beim ersten schönen Frühlingswetter mit ausgedehnten Joggingläufen beginnen. Bisweilen kommt es dann zu Brustschmerzen unter Belastung, welche vorerst ignoriert werden. Die Patienten „beissen“ sich richtig über die vorgenommene Distanz. Im schlimmsten Fall kommt es dann zum Herzinfarkt.

Mein Rat: Wenn Sie Beschwerden wie deutliche Luftnot oder Brustschmerzen unter Belastung verspüren, dann zögern Sie nicht und holen Sie ärztlichen Rat ein.

  • Versuchen Sie die oben genannten Risikofaktoren möglichst auszuschalten.

Beenden Sie das Rauchen! (einfacher gesagt als getan, Ihr Hausarzt kann hier helfen!) Versuchen Sie Gewicht zu reduzieren:  mehr Gemüse, weniger Fleisch und weniger Zucker (ihr Hausarzt oder eine professionelle Ernährungsberatung können hier ebenfalls zur Seite stehen)

  • Lassen Sie Ihren Cholesterinwert und Ihren Blutzucker beim Hausarzt überprüfen
  • Ebenso sollte der Blutdruck regelmässig bei einem Hausarztbesuch überprüft werden

 

 

PD Dr. med. Dr. med. univ. Georg Fröhlich

Wissenschaftliche Schwerpunkte: Klinische Studien (Kooperation mit dem University College London), Deputy Editor bei „Open Heart – British Medical Journal“.

Website:  Herzclinic Luzern

Kontakt   georg.froehlich(at)hirslanden.ch

 

 

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3 thoughts on “Herz und Herzerkrankungen – 6 Fragen und Antworten mit PD Dr. med. Georg Fröhlich

  1. Danke für ein interessantes Interview zu dem brandaktuellen Thema! Gegen Cholesterin kämpft Grapefruit, was aus der Erfahrung des Onkels kommt. Er leidet an Herzstechen und der regelmäßige Arztbesuch gehört ja zu seinem Alltag. Stress muss man lernen, abzubauen!

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