Sportverletzungen – Return to Sports - 5 wichtige Kriterien

Sobald ein verletzter Sportler zu uns ins Trainingszentrum kommt, ist häufig die erste Frage die er stellt: „Wann kann ich wieder anfangen?(Return to Sports). Im heutigen Blog stelle ich dir 5 wichtige Kriterien vor, die der Sportler beherrschen muss bevor er wieder auf den Platz gehen darf.

Im heutigen Beitrag möchte ich mich auf die Knieverletzungen konzentrieren, da diese eine der meist vorkommenden Verletzungen im Sport sind.

Nach einem Sporttrauma können diverse Strukturen am Knie verletzt sein, Kreuz- und Seitenbänder, Menisken, Knorpel und Knochen, Schleimbeutel und Sehnen. Auch gibt es Kombinationen von Verletzungen wie z.B. die „Unhappy Trias“ eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes, Innenbandes und des inneren Meniskus.

Nun benötigen all diese Strukturen ihre Zeit um zu heilen. Dabei sind Knorpelverletzungen eine separate Geschichte, da hier die Wundheilung (wenn man überhaupt bei dieser Verletzung über Wundheilung reden kann) und eine eventuelle „Return to Sports“ stark abhängig sind von der Grösse der Verletzung. Im Videoblog, Arthrose – einfach erklärt, habe ich bereits mehr darüber erzählt.

Nicht nur die Zeit ist entscheidend, genauso wichtig ist die Belastbarkeit vom Bindegewebe. Jedes Gewebe benötigt genügend Stabilität um Sportbelastungen aushalten zu können. So lang dieses Bindegewebe nicht belastbar ist, ist die Risikogefahr sehr hoch und die Chance sich erneut zu verletzen ist ebenfalls sehr gross.

Wie können wir nun sehen oder testen, ob dieses Bindegewebe genügend belastbar ist?

Wir arbeiten bei uns im Medical Training Center nach dem Prinzip des Rehabaums®. Dieser Rehabaum® ist ein methodisch aufgebautes Belastbarkeitsmodel, entwickelt durch Toine van de Goolberg. Als einer der ersten Reha- und Konditionstrainer hat er sich mit den folgenden Fragen auseinander gesetzt: Wann kann ich belasten, wie stark sollte ich belasten, wie kann ich dies kontrollieren und welche methodischen Schritte muss ich machen um den Sportler einwandfrei wieder spielen zu lassen?

Dieser Rehabaum® zeigt drei Elemente; Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. All diese drei Faktoren sollten in Kombination miteinander trainiert werden, bis die maximale Belastbarkeit erreicht wird. Da wo der Reha Trainer mit einem guten Gewissen zum Sportler sagen kann; „Du bist wieder parat“!

der Anspruch nach einer Knieverletzung bei einem Schwimmer, Radfahrer
oder Langstrecken-Läufer anders ist als bei einem Volleyball-, Fussball-
oder Handballspieler.

So ist es für jeden Sportler total unterschiedlich inwiefern dieser Rehabaum® durchlaufen wird. Du kannst dir sicher vorstellen, dass der Anspruch nach einer Knieverletzung bei einem Schwimmer, Radfahrer oder Langstrecken-Läufer anders ist als bei einem Volleyball-, Fussball- oder Handballspieler.

Insbesondere bei Mannschaftsportarten sind die Belastungen und Ansprüche am verletzten Kniegelenk sehr hoch. Es reicht im Reha Training nicht auf einem Balance Brett zu stehen und der Physiotherapeut wirft dir ein paar Bälle zu und sagt „Aja, das sieht gut aus, du kannst am Samstag wieder anfangen“.

Also gehen wir mal davon aus, dass der Sportler die nötigen Schritte gemacht hat und im Verlauf der Zeit sich die Belastbarkeit des Knies stark verbessert hat.

Nun möchten wir testen, ob das Knie stabil genug ist. Für dies habe ich selber einen einfachen aber doch aussagekräftigen Test erstellt, welcher im Prinzip jeder Reha Trainer in den eigenen Räumlichkeiten durchführen kann. Voraussetzung dafür ist, dass du weisst was du machst und wann du dies machst!

Im folgenden Video zeige ich dir diesen Test bei einer Handballspielerin. Bei einem „normalen“ Sportler (nicht Leistungs-Sportler), der eine vordere Kreuzband Verletzung erlitten hat, sollte man dies erst nach 7 Monaten durchführen. Ziel dabei ist das operierte oder verletzte Knie mit dem nicht verletzten Bein zu vergleichen.



Dies sind 5 wichtige Kriterien, welche der Sportler bestehen muss

  1. 120% Vertrauen ins Knie (mentale Stabilität) Egal wie die Knietestwerte ausfallen. Wenn der Sportler unsicher ist oder Zweifel hat, lassen wir den Sportler noch nicht spielen. Der Sportler selber entscheidet den Moment um wieder einzusteigen. Ich sage immer wieder es gibt neben der körperlichen Narbe auch eine mentale Narbe und diese muss auch heilen…
  2. Beschwerdefreie Trainingsspiele Trainingsspiele sind eine schöne Gelegenheit sich wieder an den Wettkampfrhythmus heranzutasten. Diese Spiele sind nicht nur wichtig für die Belastbarkeit des Knies, sondern es hilft dem Sportler auch für den Kopf sehr.
  3. «Alte» Fitnesstestwerte sollten mindestens erreicht werden Wenn der Reha Trainer alte Leistungstestwerte hat, kann man diese vergleichen mit der momentanen Situation (siehe auch punkt 5).
  4. «Trauma-Bewegung» sollte vielfach wiederholt werden, dies ohne Beschwerden oder Bedenken Dieses Item hat auch wieder mit Punkt 1 zu tun. Der Sportler sollte die Trauma-Bewegung mehrfach wiederholen und auch unter erschwerten Situationen.
  5. MTC (Medical Training Center) Testauswertung (Knietest) nicht mehr als 10% Defizit gegenüber dem nicht verletzten Bein Im Video habe ich dies bereits erklärt. Hat der Sportler ein grösseres Defizit, sollte er noch nicht auf den Platz gehen, da Reaktionsvermögen, Kraft, Stabilität und Schnelligkeit ungenügend ist.



Ich habe noch ein zweites Video für dich. Hier sehen wir die gleiche Spielerin noch einmal nachdem sie den Knietest bestanden hat. Hier machen wir ein Abschlusstraining, wo alle Elemente in einer Übungsform getestet werden. Was du auf diesem Video nicht siehst ist, dass wir bereits 1 Stunde vorher auf dem Leichtathletik Platz trainiert haben…

Video 2

Wenn du mich nun fragen wirst, ob dieser Knietest auch Sinn macht bei anderen Sportverletzungen, die ich am Anfang bereits erwähnt habe, dann sage ich; Teils macht dieser Sinn. Wo ich dieser Test nicht einsetzen würde ist mit einer diagnostizierten Gelenkarthrose Grad 4. Auch bei Meniskusverletzungen, wo man den Meniskus genäht hat würde ich vorsichtig sein, machen kann man den Test aber ich würde Zeit nehmen, sicher nicht vor dem 3. Monat.

Zum Schluss

Ob ein Sportler wieder sport- und wettkampffähig ist, hat nichts zu tun mit „probieren wir mal….“ und „schauen wir mal was passiert“. Nein, der Reha Trainer sollte gezielt und methodisch an die vollständige Belastbarkeit heran arbeiten in Zusammenarbeit mit seinem Athleten, um eine unnötige (erneute) Verletzungsgefahr vorzubeugen.


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Sportphysiotherapie und Rehabilitation – Der Rehabaum


Pieter Keulen

Autor: Pieter Keulen


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Kategorie: Videos
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