Pieter Keulen
3 Nov

Gesundheits-Irrtümer – Du darfst nicht mit einem Hohlrücken trainieren!

Kategorie: Fitness, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Letzte Woche hörte ich einen Standardspruch, den man regelmässig im Fitness hört: „Darf ich mit einem Hohlrücken trainieren?“ Damit meint man, dass der untere Rücken abgeflacht werden sollte, um nicht zu sehr ins Hohlkreuz zu fallen, da dies anscheinend schädlich sei. Warum dies ein Unsinn ist, erkläre ich dir gerne

Zuerst mal vorneweg: Wenn du einen normalen, gesunden Rücken hast, ist es überhaupt kein Problem, mit einem Hohlrücken zu trainieren. Im Gegenteil: Ein Hohlrücken sorgt sogar für eine bessere Stabilisierung deiner Wirbelsäule.

Probiere doch folgenden Test einmal selber aus: Setze dich aufrecht auf deinen Stuhl und probiere dein Becken nach hinten zu kippen, deinen unteren Rücken abzuflachen. Wenn du deine Hände auf den Rückenmuskel legst, merkst du, dass die Spannung im Rückenmuskel abnimmt. Wenn du das umgekehrte machst, merkst du, dass die Spannung im Rückenmuskel zunimmt. Damit nimmt auch die Stabilität in deinem Rücken zu.

Übrigens: die Aussage macht an sich keinen Sinn! Wenn man die Anatomie des Menschen anschaut, stellt man schnell fest, dass unser Körperbau von selbst einen Hohlrücken entwickelt hat. Probiere mal mit einem Flachrücken zu laufen, dass sieht dann in etwas so aus wie bei Donald Duck.

Gerade das Training im Hohlrücken kräftigt nicht nur deine Rückenmuskulatur, auch deine Bandscheiben profitieren von diesen Bewegungen, weil diese dadurch in eine bessere Kondition gebracht werden.

Es kann allerdings sein, dass eine Person mit einem Bandscheibenvorfall eine Bewegung mit Hohlrücken nicht mag, weil diese mehr Beschwerden verursacht. Diese Schmerzen werden durch die Position der Hernien und/oder der Entzündung verursacht. In diesem Fall kann sicher am Anfang das Abflachen des Rückens eine Wohltat sein. Wenn die Schmerzen aber abnehmen, sollten die lordosierenden (Hohlrücken-)Bewegungen wieder trainiert werden.

Es ist für das Fitness-Training also sehr wichtig, dass darauf geachtet wird, dass du eine gute Körperhaltung einnimmst. Insbesondere bei der Arbeit mit grösseren Gewichten sollst du darauf achten, dass du die Schultern nach hinten nimmst, das Gesäss rausstreckst und einen Hohlrücken einnimmst. Wenn du dies beachtest, dann ist es fast unmöglich, dass du während dem Training Rückenprobleme bekommst.

Viel Erfolg!

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7 thoughts on “Gesundheits-Irrtümer – Du darfst nicht mit einem Hohlrücken trainieren!

  1. Liebe Peter,

    Mit Interesse habe ich dein Artikel gelesen.
    Ich denke auch das der Mensch von Natur aus ein Hohlrücken entwikkelt hat was aber zu Problem wird wenn zu Extrem und in Zusammenhang mit ein in Extension eingeschränkte BWS.
    Ob aber die Spannung der Rückenmuskulatur zunimmt im Hohlkreuz? Mal nachgemessen?
    Und nicht nur der Rückenmuskulatur ist wichtig bei der Stabilität der LWS.
    Und dann noch eine Frage: du Schreibst dass die Bandscheiben profitieren von Trainieren im Hohlrücken, dass die dadurch in bessere Kondition gebracht werden. Kannst du mir dass bitte mal erklären?

    • Hallo Robert

      Danke für dein Feedback. Den Artikel habe ich geschrieben auf Grund diverser Patienten und Kunden, die bei uns im Training sind, die irgendwo mal gehört haben, dass es falsch ist, wenn man im „Hohlkreuz“ trainiert. Regelmässig hört man dann auch „im letzten Fitnesszentrum hat man gesagt, ich darf jaaa nicht im Hohlkreuz trainieren. Dies ist ein Irrtum.

      Bandscheiben bleiben in einer guten Kondition auf Grund genügender Bewegung. 9 Stunden Sitzen in einen Bürostuhl ist sicher nicht fördernd für die Bandscheiben. Durch Bewegung werden die Bandscheiben be- und entlastet. Durch Bewegungsmangel wird die Bandscheibe „spröde“ und „rissig“. Ergebnis: die Bandscheibe ist „unterernährt“ und die Chance auf einen Bandscheibenvorfall erhöht sich.

      Deswegen sind Hohlkreuz (Lordose) und Rundrücken (Kyphose) Bewegungen, die so wie alle Bewegungsabläufe, gut für den Rücken sind und deshalb sollte der Hohlrücken sicher nicht verboten werden. Dies verunsichert und ruft Angst hervor, was sicher nicht nötig ist

      Weiterhin kann man sagen, dass auch im Alltag extremere Hohlrücken-Belastungen vorkommen; denken Sie zum Beispiel an die Endphase beim Golf oder beim Heben von Lasten kombiniert mit Rotation.

      Zum Schluss; Entscheidend für einen guten Rücken ist sicher nicht nur die Rückenmuskulatur, wie du auch bereits erwähnt hast, aber die gesamt Körpermuskulatur. Von Kopf bis Fuss (und also nicht nur Bauchmuskulatur trainieren bei Rückenbeschwerden…).

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