Pieter Keulen
27 Okt

Frozen Shoulder – Was zu tun bei einem steifen Schultergelenk?

Kategorie: Gesundheit, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Im Bereich der Schulterbeschwerden ist die Frozen Shoulder (auf Deutsch: eingefrorenes oder steifes Schultergelenk) eines der häufigsten Krankheitsbilder. Bei dieser Pathologie handelt es sich um Veränderungen der Kapselstrukturen im Schultergelenk. Gerne erkläre ich dir, was das genau ist

Im Detail geht es um eine Verhärtung und Schrumpfung/Verklebung der Bindegewebsstrukturen der Gelenkkapsel mit schmerzhafter Einschränkung der Beweglichkeit des Schultergelenks. Die Ursachen dieser Problematik können vielseitig sein:

  • Eine Entzündung des Schultergelenks, selbst durch rheumatische Erkrankungen
  • Verletzungen der Muskeln um das Schultergelenk; den sogenannten Rotatorenmanschetten (vier Muskeln, die für die Drehbewegungen des Oberarms verantwortlich sind)
  • Überbelastung des Schultergelenks durch häufiges Wiederholen bestimmter Bewegungsabläufe
  • Sogenannte Überkopfsportarten wie Tennis, Geräteturnen, Akrobatik

Die häufigste Ursache ist aber eine lange andauernde Schonung/Schonhaltung der Schulter nach Verletzungen, Entzündungen oder Operationen im Schulter- aber auch im Arm- und Handbereich. Personen, die ein Schulterproblem haben, schonen Ihr Gelenk zu stark, weil sie Angst haben, es noch mehr zu verletzen. Daher ist es sehr wichtig, dass der Arzt oder Therapeut sie richtig informiert.

Die angenehmste Position ist es, den Arm nahe am Oberkörper zu haben oder in einer Schlinge zu tragen. Dies kann am Anfang gut sein, aber wenn der Arm und die Schulter gar nicht mehr bewegt werden, wird die Schulter steif und man bekommt grosse Probleme mit der Beweglichkeit.

Frozen Shoulder Rechts

Frozen Shoulder Rechts

Die ersten Anzeichen einer Frozen Shoulder sind Schmerzen, die durch bestimmte Bewegungen, vor allem nachts, provoziert werden. Einige Wochen später vermindern sich die Schmerzen, man merkt aber, dass die Beweglichkeit immer schlechter wird. Sie merken dies am besten beim kämmen, Haare waschen oder wenn man das Portemonnaie aus der Hosentasche nehmen will.

FAQ„Wie oft soll ich meine Schulter bewegen“? Meine Antwort ist dann immer: „So oft wie möglich!“ Bewege deine Schulter in alle Bewegungsrichtungen. Durch diese Bewegungen werden die Bindegewebsstrukturen immer wieder ein wenig gedehnt. Das führt dazu, dass du deine Schulter wieder optimal nutzen kannst.

FAQ; „Darf ich über die Schmerzgrenze hinausgehen“? Ist ebenfalls eine häufig gestellte Frage und darauf antworte ich immer: „Ja, das darfst du.“ Da es um eine „Verklebung“ des Bindegewebes geht, muss endgradig, also bis „an die Grenze“ bewegt werden. Die Schmerzen, die durch die Dehnung entstehen, sollten aber am Ende der Bewegungsübungen rasch nachlassen. Spürst du die Schmerzen am nächsten Tag immer noch, hast du die Bindegewebsstrukturen zu fest belastet. Da es bei der Frozen Shoulder oft Patienten betrifft von 50 Jahren und älter, stelle ich oft fest, dass eine gewisse Angst vor dem Bewegen vorhanden ist. Niemand hat gerne Schmerzen, aber die Schmerzen verschwinden nicht, wenn du deinen Arm ruhig hältst und nicht bewegst. Es bewirkt nämlich genau das Gegenteil.

FAQ; „Wie lange dauert es, bis die Schulter wieder die normale Beweglichkeit hat“? Eine Frozen Shoulder kann eine sehr hartnäckige Verletzung sein. Die Regenerationszeit kann von 4 bis 9 Monaten gehen. Grösstenteils ist dies von der Intensität und Regelmässigkeit der Durchführung des Heimprogrammes abhängig.

Der Physiotherapie steht eine grosse Anzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. Das wichtigste ist aber, den Patienten richtig zu instruieren. Der Patient sollte von Anfang an ein Heimprogramm mit maximal 5 Übungen erhalten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, nicht zu viele Übungen mit nach Hause zu geben, dafür werden die dann regelmässiger gemacht. Dabei geht es nicht darum, sich dreimal täglich die Zeit zu nehmen, um das ganze Programm durchzuführen, sondern die Übungen verteilt über den ganzen Tag zu machen. Es ist viel effektiver kurze Wiederholungen der einzelnen Übungen zu machen, als alle an einem Stück zu absolvieren. Zum Beispiel; jede Stunde 5 Minuten richtig durchstrecken.

 

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