Pieter Keulen
10 Jan

Physiotherapie – 4 wichtige Faktoren für Reha Training

Kategorie: Gesundheit, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Bei uns im MTC Emmenbrücke und MTC Hochdorf sind wir Spezialisiert in der aktiven Rehabilitation. Diese Physiotherapie richtet sich auf 4 Hauptfaktoren um Menschen wieder fit zu machen.

In der Physiotherapie gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die Behandlungsmethode welche wir in der Physiotherapie in Emmenbrücke und Hochdorf handhaben ist die „aktive Rehabilitation“, wir nennen dies Reha Training.

Hier unsere 4 wichtigsten Kernpunkte für das Reha Training:

  1. Trainiere dass, was du nicht kannst

In vielen Behandlungsmethoden strebt man danach, Bewegungsabläufe zu schonen und Schmerzen nicht zu provozieren. Ich bin der Meinung, dass dies in einer gewissen Phase der Rehabilitation richtig ist, aber wenn die ersten Entzündungszeichen abgeflacht sind, sollte man den Körper wieder belasten und dann so spezifisch wie möglich aufbauen. Nur so wird der Körper stärker und belastbarer!

Wenn ich feststelle, dass Du Schmerzen beim Bücken im Rücken hast, dann muss eine „Bück-Übung“ z.B. Kreuzheben (Gewicht heben von Bodem) eine feste Übungsauswahl in deinem Reha Programm sein. Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig, beim Patient nachzufragen, und zu testen, was und womit er oder sie Mühe hat, weil dies nochmals das Übungsprogramm bestimmt!

Patienten möchten immer gerne lustige, neue, und spektakuläre, Übungen sehen. Wichtig; Nicht die „lustigen“ Übungen bestimmen die Reha Übungsauswahl des Patienten aber die funktionellen Bewegungsabläufe, und gerade dass, was der Patient nicht kann, bestimmt die Übungsauswahl.

Therapeuten und Patienten sollten verstehen, warum genau dies oder die andere Trainingsübung gewählt wird. Dieses Reha Training sollte also, abgestimmt sein auf die Funktion, Beschwerden und momentane Belastbarkeit der Patienten. Einfach gesagt, trainiere dass, was der Patient nicht kann oder Mühe damit hat.

  1. Schmerzen sind ein wichtiger „Begleiter“ in dem Reha Training

Oft werden Schmerzen als etwas „Böses“ gesehen. Für den Reha Trainer, sind Schmerzen ein wichtiger Begleiter in dem gesamten Reha Training. Schmerzen zeigen dir, dass etwas im Körper nicht stimmt (eine Verletzung des Bindegewebes liegt vor). Hier ein Beispiel. Wenn ein Patient kommt und er oder sie Problemen mit Bücken hat, dann Frage ich Ihn erstmal wie weit er noch Bücken kann und er sollte dies vorzeigen. In welchem Winkel er genau Beschwerden bekommt und wenn er wieder die aufrechte Position einnimmt was passiert dann mit den Schmerzen, sind die Beschwerden stärker geworden oder haben sie sich wieder normalisiert. Mit diesem einfachen funktionellen Bewegungsablauf hat der Rehatrainer bereits einige wichtige Informationen gewinnen können.

  1. Ich weiss nun, dass die Übung Kreuzheben und/oder gestreckte Beinen heben (Stiffed Leg Dead Lift) im Reha- Trainingsprotokoll eine wichtige Übung ist
  2. Ich weiss, wie der Radius dieser Übung aussehen sollte (bis zum Punkt, wo der Patient angibt, Schmerzen zu haben)
  3. Ich sehe, mittels der Durchführung die der Patient vorgezeigt hat, die „Qualität“ der Bewegung. Wenn er sich nach vorne bückt weicht er da aus oder verlaufen die Bewegungen symmetrisch.
  4. Wenn der Patient wieder in die Normalposition zurück kommt und er vermehrt Schmerzen hat (und dies bleibt so bis 10 Stunden oder sogar länger) dann weiss ich, dass dies ein Reizschmerz (ein Überbelastungsschmerz) war und dass ich Vorsicht anfangen sollte in dem Reha Training, da dass Bindegewebe noch äusserst sensibel ist.
  • Zum Thema Schmerz: Es gibt „zwei verschiedene Arten“ von Schmerzen; kurzfristige Bewegungsschmerzen die innerhalb kurzer Zeit wieder verschwunden sind. Dies ist ein „guter“ Schmerz mit dem Du sehr gut trainieren kannst. Daneben gibt es einen Überbelastungsschmerz welcher, länger andauert und mit dem man vorsichtig sein sollte.

So Schmerzen müssen nicht direkt bedeuten, dass Du eine Übung nicht mehr durchführen solltest. Warten also die nächsten Tage ab, sind die Schmerzen nicht stärker geworden, mache dann weiter.

Aus diesem Grund ist die Verwendung von Schmerzmedikamenten aus Sicht des Patienten verständlich aber für den Reha Trainer eine Last, weil „Was ist nun das richtige empfinden des Patienten“. Kann und soll ich den Patienten belasten oder nicht?!

  1. Die Alltagsbelastungen Formen sind das ziel

Eine Person die im Baugewerbe tätig ist und die viel Heben muss, hat in seinem Alltag mit ganz anderen Rückenbelastungen zu tun als ein Büroangestellter. Der Bewegungsablauf und Kräfte auf einem Rücken sind bei einem professionellen Golfspieler total anders als bei einem Verkäufer.

Dies ist dann auch der Grund, warum wir unser Trainingskonzept „funktionelles Rehatraining“ nenne. Um dies zu verdeutlichen, hier ein folgendes Beispiel. Wenn eine Person die im Baugewerbe tätig ist kommt, könnte man fragen „Was ist das maximale Gewicht, was du heben musst? Wenn er sagt „Das Maximalgewicht was ich in Alltag hebe, ist 50 Kilogramm dann sollte mein Endziel in dem Rehatrainig bei mindestens 55 Kilogramm liegen!

Es macht total keinen Sinn, wenn er  20 Kilogramm heben kann zu sagen „das war nun dein Reha Training, wir sind fertig“. Nein, er ist nicht fertig, da mindestens noch 30 Kilos fehlen, die er Trainieren sollte, weil es das ist, was er auch im Alltag macht.

So kann man also sagen, dass jede Arbeit oder Sportart sein eigenes Endziel haben sollte. Je höher die Ansprüche an ein seinen Rücken sind desto intensiver und länger sollte das Training dauern.

  1. Der Patient ist selber für seine Gesundheit verantwortlich

Es kann nicht sein, dass ein Reha Trainer oder Physiotherapeut mehr schwitzt als der Patient selber…

Der Patient sollte Wissen, dass er selber verantwortlich für seine Gesundheit ist, es ist primär sein Problem und nicht das des Reha Trainers….

Manchmal ist es schon lustig, wenn Patienten zum ersten Mal vorbei kommen. Sie staunen erst mal über den Trainingsraum und fragen sich Oft, wo man dann „massiert wird“. Da der Physiotherapie noch einen Stempel als „Passive Therapie“ hat, staunt man dann, wenn man das erste Mal das Trainingsmaterial sieht.

Ja sicher, Massagen machen wir auch, wenn es nötig und sinnvoll ist. Da aber 80% von unseren Patienten zu uns kommen mit Beschwerden direkt oder indirekt verursacht durch einen Bewegungsmangel, kann es nicht sein, dass man 9 Physiotherapeutische Behandlungen auf dem Bauch liegt und nur „verwöhnt“ wird. Man sollte selber auch etwas dazu beitragen wieder fit zu werden.

 

Diese Themen könnten Dich vielleicht auch interessieren:

Schmerzen – Warum man den Patienten behandeln sollte und nicht seine Schmerzen

Rehabilitation – Richtlinien Krafttraining

Andrea Willimann – Ihr Comeback nach einer schweren Schulterverletzung

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.