Pieter Keulen
24 Feb

Sportverletzungen – Supinationstrauma

Kategorie: Gesundheit, Medizin, Videos
Autor: Pieter Keulen

Das umknicken im Sprunggelenk (Supinationstrauma) ist die häufigste Sportverletzung. Sicher bei Ballsportarten aber auch beim Bergwandern oder jogging kommen diese Verletzungen oft vor. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir mehr darüber.

Vielleicht kennst du das auch, du landest nach einem Sprung auf dem Fuss eines anderen Spielers und dein Sprunggelenk knickt um und du liegst am Boden. In der Schweiz verletzen sich etwa 600 Personen pro Tag das Sprunggelenk!

Wie entsteht diese Verletzung
Am oberen Sprunggelenk sind auf der Aussenseite deines Sprunggelenkes 3 Bänder die versuchen das Sprunggelenk bei einer Bedrohung zu schützen. Je nach Kräfte bei der Landung können die Bänder dein Gelenk stabilisieren oder nicht. Da es keine grossen Muskelgruppen rund um dieses Gelenk gibt, so wie beim Knie, Hüfte oder Rücken hängt also sehr viel von diesen 3 Bändern ab. Wenn dann dein Gelenk nach innen umknickt, eventuell auch noch bei einer schnellen Stop Bewegung, dann sind die Kräfte auf den Bänder enorm und kann zu dieser Verletzung führen.

Bluterguss Einteilung Schweregrad
– In den meiste Fällen kommt es zu einer Überdehnung dieser drei Bänder. In der Regel siehst du vielleicht eine leichte Schwellung (Hämatom).Wir sprechen dann von einer Grad I  Verletzung
– Bei einer Grad II Verletzung hast du bereits eine Teilruptur. Dies bedeutet, dass ein oder mehrere Bänder (meistens das vordere Band) bereits angerissen ist. Man kann eine Schwellung  wahrnehmen und du hast mühe damit auf deinem Fuss zu stehen.
– Bei einer Grad III Verletzung, wirst du deinen Fuss nicht mehr belasten können, deutliche Schwellung meistens mit allen Farben des Regebogens.

Untersuchung
Die Diagnose dieser Verletzung ist eigentlich sehr einfach. Der Sportler kann dem Physiotherapeut bereits sehr schnell sagen was genau passiert ist. Doch wird zusätzlich empfohlen beim Arzt noch ein Röntgenfoto zu machen (in Ausnahmefällen wird sogar eine MRI Aufnahme gemacht). Dies macht man um festzustellen ob es nicht zu einer zusätzlichen Knochenverletzung gekommen ist.

Behandlung
Als erstes wird traditionell immer noch Eis auf das verletzte Gelenk getan. Im Blogbeitrag Eisbehandlung Ja oder Nein?, haben wir aber bereits erwähnt, dass die Behandlung mit Eis eigentlich unerwünscht ist. Es gibt jedoch ein ABER…
Als Physiotherapeut bei diversen Sportvereinen und Nationalmannschaften habe ich diese Verletzung regelmässig erlebt. Da habe ich trotzdem Eis angewendet. Nicht weil es der Wundheilung gut tun würde aber mehr aus psychologischer Sicht. Der Verletzte Sportler wird zur Ersatzbank gebracht und da erwartet er ein wenig „Zuneigung“ und Aufmerksamkeit. Gleichzeitig muss er das passierte auch noch verdauen und da habe ich auch regelmässig Eis verwendet. Wenn dann die „Zuneigungsphase“ vorbei ist, verwende ich keinen Eis mehr (also 30 Minuten später…)

Phase 1
In der ersten, akuten Phase, mache ich einen Druckverband und lasse diesen 3 Tage um das verletzte Gelenk und bitte den Patienten, sein Gelenk eventuell mit Stöcken zu schonen. Als Physiotherapeut mache ich in dieser Phase gar nichts, ich lasse die Natur seine Arbeit erledigen und stürze mich nicht auf das Gelenk und fange an total unnötige Sachen zu machen.

Phase 2
In der zweiten Phase, meistens nach 3-4 Tagen fange ich an, das Gelenk leicht zu mobilisieren, Lymphdrainage, Velofahren und leichte Belastungen, wie auf das Bein stehen sind in dieser Phase angesagt.

Phase 3
Geht dies alles gut dann gehe ich zur dritten Phase über (nach etwa 2-3 Wochen). Hier fange ich an, das verletzte Gelenk wieder aufzubauen, auf dem Laufband wandern, sensomotorisches Training und Mobilisation sind hier angesagt. Voraussetzung ist aber, dass die Schwellung weg ist.

Phase 4
Dann in der vierten Phase stehen mir alle Möglichkeiten frei ausser Sprung, Sprint und „Stop and Go“ Belastungen. Kraftaufbau, sensomotorisches Training, jogging und weiteres ist hier angesagt.

Phase 5
In der letzten Phase geht es um die Sport spezifische Phase, hier sollten alle Elemente welche der verletzte Sportler in seinem (sportlichen-) Alltag erlebt wieder geübt werden. Bei uns im MTC gehen wir mit den verletzten Sportler auf den Leichtathletikplatz und fangen an gezielt zu trainieren.

Nun verlaufen diese Phasen ineinander über und sind pro Patient und Verletzung unterschiedlich. Hat man nur eine Überdehnung oder eine totale Ruptur aller drei Bänder eventuell kombiniert mit einer Syndesmosenläsion.

Selber bin ich von dieser Verletzung sehr oft betroffen gewesen, in der Zeit wo ich Wettkampfaktiv war (Volleyball, Karate und Fussball) aber auch später beim (Berg)wandern ist es mir oft passiert das ich umgeknickt bin. Bestimmt habe ich diese Verletzung früher oft unterschäzt, wichtig für mich war der sportliche Wettkampf. Was ich dann tat, wie so viele von euch, Sprunggelenk eintapen und wieder los. Meistens war ich mit Sicherheit nach 2 Wochen wieder auf dem Spielplatz….

Ich sehe dieses Verhalten auch sehr oft bei meinen sportliche Patienten, „Wann kann ich wieder spielen?!“ ist die erste Frage. „Was! muss ich 6-8 Wochen warten???“, Ich suche einen anderen Physiotherapeut!

Spätfolgen
Ähnlich wie bei anderen Band- und Kapselverletzungen, kann ein zu früher sportlicher Anfang zur weiteren Instabilität im Gelenk führen. Diese Instabilität hat direkte folgen auf deine Knorpelflächen die dein Gelenk schützen. Das deine Bänder kaputt sind ist das eine, aber wenn dein Knorpel auch noch kaputt ist, dann ist das noch mal eine ganz andere Nummer….
Die Spätfolgen sind dann auch früher Verschleiss (Abnutzung) deiner Gelenkflächen…

Mein Tipp
Unterschätze diese Verletzungen nicht. Nimm dir die Zeit dies vollkommen zu heilen, auch wenn es dich „juckt“ und am liebsten auf dem Platz stehst, ich verstehe das sehr gut. Du bist aber gut beraten wenn du dir die Zeit nimmst.

Video: Stabilitätstraining für in die Sporthalle und/oder Zuhause. Präventionstraining Knie- und Sprunggelenkverletzungen

Lese jetzt auch!  Supinationstrauma – Sprunggelenk Tape   Das umknicken vom Sprunggelenk ist eine der häufigsten Sportverletzungen. In dem folgenden Blogbeitrag habe ich ein Video platziert, wie du deinem Sprunggelenk selber ein Sporttape angelegen kannst (Video)

 

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