Pieter Keulen
5 Mrz

Kommunikation – 6 Tipps für Rehabilitation und Physiotherapie

Kategorie: Gesundheit, Medizin
Autor: Pieter Keulen

Vor einigen Jahren lag ich bei meinem damaligen Zahnarzt auf dem Stuhl. Er sah meine Zähne an und sagte „mmm, das müssen wir flicken Herr Keulen“, da dachte ich mir „Ja, deswegen bin ich da“. „Also Herr Keulen es gibt drei Möglichkeiten, A, B oder C…. was machen wir?“ Er schaute mich an in der Hoffnung, ich könnte ihm darauf keine sinnvolle Antwort geben. Da ich kein Zahnarzt bin und absolut keine Ahnung habe was man überhaupt so machen muss warte ich geduldig auf seine Lösung. Ich spürte aber seine Zweifel und Unsicherheit, und damit steigte auch meine….

Zu deiner Info: Ich verwende die Begriffe Sportler und Patienten ein wenig durcheinander. Der Text im untenstehenden Blog betrifft beide Zielgruppen.

So geht es auch verletzten Sportlern und Patienten. Sie brauchen klare Zielvorgaben und eine deutliche Kommunikation in der Rehabilitation. Sehr oft verlaufen Rehabilitation und auch die Kommunikation mit dem Patienten nicht optimal, ja, sagen wir mal schlecht…. Aussagen von Physiotherapeuten „Schauen wir mal“ weckt nicht viel Vertrauen beim Patienten und sicher nicht bei einem verletzten Sportler.

Bei Leistungssportler ist der Reha Trainer innerhalb eines Trainings bereits „geliefert“, da Leistungssportler keine Zeit verschwenden möchten an Trainer, die unsicher und zweifelhaft sind. Sie erwarten klare Ziele und eine deutliche Kommunikation (und Recht haben sie!)

Nicht nur Sportler, sondern alle Patienten brauchen Zielvorgaben, sie brauchen Aussagen wie die Rehabilitation verlaufen wird. Ich gebe dir 6 Beispiele von klarer Kommunikation und dazu einige Tipps:

1. Ziele!
Ein Sportler ohne Ziel ist wie ein blindes Rennpferd auf der Wiese. Sie möchten gerne rennen aber meistens in verschiedene Richtungen und am Ende geben sie erschöpft auf, weil keines dieser Rennpferde in die Richtung steuert wo es hingehen soll.
Der Reha Trainer sollte klare Ziele definieren. Wann wieder Joggen, wann wieder mit Sprungkrafttraining anfangen, wann wieder anfangen mit sportspezifischem Training?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sportler schneller fit werden, wenn sie ganz klare Ziele vor Augen haben, dabei kann man sagen, dass je detaillierter diese Ziele sind desto besser ist es für den Sportler. Ist auch logisch oder nicht? Würdest du deine Energie verschwenden ohne klare Ziele?

2. Was muss der Sportler selber dafür tun wieder fit zu werden?
Es kann nicht sein, dass der verletzte Sportler auf dem Tisch liegt und denkt, „Komm Herr Therapeut, machen Sie mich fit?“, so funktioniert dies nicht. Der Patient sollte aktiv mitarbeiten in diesem Prozess.
Ich habe mal vor ein paar Jahren einen Fussballspieler gehabt, welcher nur massiert werden wollte. Krafttraining möchte er nicht „weil ihm dies nicht gut tat“. Er meinte, dass seine Muskeln immer so „verspannt“ werden nach dem Krafttraining…. (eigentlich war es eine schlappe Ausrede, weil er zu faul war).
Da musste ich ganz deutlich ein paar Regeln mit ihm durchnehmen. Eine der Regeln war, dass es nicht so sein sollte, dass „der Trainer mehr schwitzt als der Sportler“. Kurz gesagt er brauchte einen Tritt in seinen Allerwertesten, und das habe ich dann auch gemacht….

3. Wie oft sollte er in die Physiotherapie kommen?
Sollte der verletzte Sportler 2 mal in der Woche oder 4 mal in der Woche in die Physiotherapie oder ins Reha Training kommen? Du kannst dir sicher vorstellen, dass wenn ein Patient ein steifes Schultergelenk hat dies nicht viel besser wird wenn der Therapeut 30 Minuten in der Woche die Schulter durchbewegt, dazu braucht es schon noch etwas mehr.
Patienten, die aber akute Entzündungen aufzeichnen, sollte man sehr vorsichtig sein. Es kann gut sein, dass ich einem Patienten mitteile, dass er nur einmal in der Woche kommen soll, da ich nicht gerne mit entzündeten Gelenken arbeite. Da eine zu intensive Behandlung am entzündeten Gelenk meistens schlecht abläuft. Es ist wichtig dem Patient zu erklären warum er nur zwei oder mehrere Male in der Woche vorbei kommen soll in das Reha Training.

4. Wann kann er erwarten wieder zu Sporten!
Die wohl entschiedenste Frage für den Sportler, „Wann kann ich wieder anfangen?“, (Return to Sports). Ob und wann er wieder anfängt ist von vielen Faktoren abhängig; z.B. Reha Plan, sportspezifische Analyse, Reha Verlauf, mentaler Zustand des Sportlers und weiteres. Dabei weiss man, dass bei bestimmten Verletzungen die Bindegewebs-Strukturen Zeit brauchen, damit sie wieder 100% belastbar sind.
Du kannst dir sicher vorstellen, dass wenn ein Fussballer ein Kreuzbandriss erlitten hat er wieder Sprints, Sprünge, Stop and Go Belastungen durchführen muss, damit er überhaupt wieder auf den Fussballplatz anfangen kann. Kurz gesagt, er sollte in der Reha so stark belastet werden, dass ich als Reha Trainer ABSOLUT sicher bin, dass ihm nichts mehr passieren kann. Er sollte also einige Tests bestehen, bevor er wieder sportfähig ist. Diese Tests sind äusserst wertvoll für seinen momentanen körperlichen sowie mentalen Zustand. Diese Reha Planung sowie die verschiedenen Tests sollte man im Voraus kommunizieren mit dem Patienten, so weiss er zu jederzeit wo er steht und was von ihm verlangt wird.

Vordere Kreuzband Rehatraining

5. Was passiert im Körper
Sportler/Patienten finden es äusserst wertvoll wenn der Reha Trainer sich Zeit nimmt zu erklären was genau passiert bei einer Verletzung; warum gibt es eine Entzündung und was ist der Nutzen von einer Entzündung, wie verheilen die verletzten Strukturen wieder, welche Wirkung hat dein Reha Training auf den Körper und weiteres….
Je genauer der Reha Trainer dies erklärt, desto mehr steigert sich das Vertrauen vom Sportler.

6. Was passiert im Kopf
Ein guter Reha Trainer ist auch ein guter Psychologe. Es heisst noch nicht, dass wenn die Verletzung ausgeheilt ist, der Sportler wieder in der Lage ist zu spielen. Es kann gut sein, dass neben der „körperlichen Narbe“ es auch eine „mentale Narbe“ gibt, wo der Reha Trainer daran arbeiten muss. Insbesondere mit Sportler die einen vorderen Kreuzbandriss oder eine Schulter Luxation erlitten haben, heisst es noch nicht unbedingt, dass alles stabil ist und der Sportler wieder anfangen kann. Auch oben „zwischen den Ohren“ muss es stabil sein.
Vom Reha Trainer wird also etwas mehr verlangt als „nur“ sein Bein zu massieren oder ein Übungsprogramm zu erstellen. Im Blog Reha Coaching habe ich bereits einiges zu diesem Thema geschrieben.
Ich behaupte mal, dass bei vielen Sportlern, aber auch bei unseren alltäglichen Patienten, die „Behandlung“ vom Kopf mindestens so wichtig ist wie das körperliche Leiden.

Fazit: Patienten und Sportler brauchen klare Ziele betreffend dem was im Reha Training passiert. Dabei erwartet der Patient/Sportler, dass du weisst worüber du redest. Sobald der Reha Trainer anfängt zu zweifeln oder anfängt „dummes Zeug“ zu machen wird dein Behandlungserfolg rapide den Bach runter gehen….
Mit Sicherheit weiss ich selber auch nicht die Antwort auf alle Fragen, welche die Patienten oder Sportler haben. Ich gebe mir aber die Mühe eine Antwort zu suchen auf seine Fragen. Dies schlussendlich steigert das Vertrauen zwischen Reha Trainer und Patient/Sportler.

 

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12 thoughts on “Kommunikation – 6 Tipps für Rehabilitation und Physiotherapie

  1. Danke für den Beitrag! Ich werde dieses Jahr noch eine Operation haben, und muss danach erst ein halbes Jahr Physiotherapie machen. Für eine Person, die viel Sport macht, klingt das ein kleines bisschen schwierig, aber ich versuche mich nun bestmöglich vorzubereiten. Diese Tipps werden für mich auf jeden Fall hilfreich sein!
    LG Sophie

  2. Hallo und danke für diesen Beitrag! Rehabilitation und Physiotherapie zusammen können einem sehr viel helfen, vor allem wenn man das richtig macht. Ich stimme alle Punkte zu, aber den ersten finde ich besonders wichtig: ohne Ziele passiert deutlich weniger!
    Grüße, Sebastian

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Die Tipps zur Krankengymnastik haben mir sehr gut gefallen. Ein Prima Beitrag!

  4. Hallo und danke für diese Tipps zum Thema Krankengymnastik und wie sie zum Erfolg werden kann. Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Faktoren für eine erfolgreiche Rehabilitation gibt. Mein Sohn beginnt bald sein Praktikum bei einem Physiotherapeuten und ich hoffe, dass er dort Einiges lernen kann.

  5. Hallo und danke für diese Tipps zur Physiotherapie und Rehabilitation! Als ich bei der Physiotherapie nach meiner Meniskus-Operation war, war ich auch sehr dankbar über meinen Trainer, der mir die Vorgänge in meinem Knie geduldig erklärt hat. Rehabilitation nach einer Verletzung ist ja zu großen Teilen auch Kopfsache.

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